DIE GEHEIMNISSE DES HEILIGEN ROSENKRANZES

Die lichtreichen Geheimnisse


 

1) Die Taufe im Jordan
2) Die Hochzeit von Kana
3) Die Verkündigung des Reiches Gottes
4) Die Verklärung
5) Die heiligste Eucharistie (Das Altarssakrament)


 

Wie betet man den Rosenkranz?

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Darauf folgt das Apostolische Glaubensbekenntnis.
Die ersten fünf Perlen des Rosenkranzes gelten den einleitenden Gebeten: einem Pater Noster, drei Ave Maria und dem Gloria Patri. In die drei Gegrüßet seist du Maria werden die folgenden Anrufungen eingefügt:

Jesus, der in uns den Glauben vermehre
Jesus, der in uns die Hoffnung stärke
Jesus, der in uns die Liebe entzünde

Jedes Rosenkranzgesätz besteht aus einem Vater unser und zehn Gegrüßet seist du Maria. Dabei wird bei jedem Gegrüßet seist du Maria das zu betrachtende "Geheimnis" in das Ave Maria eingefügt; so betet man zum Beispiel beim ersten Gesätz des freudenreichen Rosenkranzes: "...Jesus, den du o Jungfrau vom Heiligen Geist empfangen hast. Heilige Maria..."

Das Gesätz schließt jeweils mit dem Ehre sei dem Vater ab.

Heute ist es vielerorts üblich, daß jedem Rosenkranzgesätz jenes Gebet folgt, das der Engel den Seherkindern von Fatima lehrte:
O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden,
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle,
führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene,
die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

Die Rosenkranzbetrachtung kann mit der Lauretanischen Litanei oder anderen Mariengebeten abschließen.

Das Vater unser (Pater Noster): Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.

Das Gegrüßet seist du Maria (Ave Maria): Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.... Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Das Ehre sei dem Vater (Gloria Patri): Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Lauretanische Litanei

Das Salve Regina: Sei gegrüßt , o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsre Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis (Credo): Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des AllmächtigenVaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige Katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sülnden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.


 


 


 


 


 
DIE GESCHICHTE DES ROSENKRANZES
 
Den Rosenkranz bildete man vom Anfang des Christentums. Es war ein langer und komplizierter Prozess. Die heutige Gestalt bekam er in den ersten Jahren des 15. Jahrhunderts im Kartäuserkloster in Trier. Nach einer sagenhaften Erzählung Dominik aus Preußen hatte seinen Beitrag dazu, denn er brachte Maria jeden Tag einen Kranz aus Rosen. Als er aber in den Orden eintrat, hatte er nicht immer Zeit dafür. Die älteren Brüder gaben ihm ständig neue Aufgaben. Er vergaß doch sein Versprechen nicht und fragte den Beichtvater während der Beichte, was er tun solle. Der Beichtiger erteilte ihm, dass er die Rosen mit dem Gebet "Gegrüßet seist du Maria" ersetzen soll. Der junge Mensch folgte dem Rat des Beichtvaters, aber vielmaliges Wiederholen des gleichen Gesetzes fand er langweilig. Nach einer kurzen Zeit fiel ihm der Gedanke ein, um zu jedem "Ave Maria", eine Szene aus dem Evangelium dazuzugeben. Es waren 150 Szenen und sie fassten das ganze Leben von Jesus um. Auch davon wahrscheinlich nimmt das Gebet den Namen Rosenkranz an, das heißt ein Kranz voller Rosen für die Mutter Gottes.
 
 
FATIMA
 
U. L. Frau von Fatima forderte immer wieder zum täglichen Beten des Rosenkranzes auf. An den fünf ersten Samstagen sollen wir auch über Geheimnisse des Rosenkranzes etwa eine Viertelstunde betrachten. Unsere himmlische Mutter weiß eben, wie unsere Zeit ganz in der äußeren Tätigkeit aufgeht und ruft uns deshalb zur Besinnung, zur Einkehr in uns selbst, zum inneren Leben auf, das alles äußere beseelen muß. Sie weiß, wie unsere Zeit in fieberhaftem Streben darauf ausgeht, die Geheimnisse der Natur immer tiefer zu erkennen, um immer neue Errungenschaften der Technik zu erfinden und sie ruft uns auf zum Forschen in den Geheimnissen der Übernatur, der Erlösung und des wahren und ewigen Heiles. Darin war sie selbst das herrlichste Vorbild, indem sie in ihrem Herzen bewahrte und überdachte, was sie zusammen mit ihrem Sohn erlebte. Die Betrachtung der Geheimnisse des Rosenkranzes soll unser Herz mit dem ihrigen vereinigen und uns immer wieder Früchte zur Erneuerung unseres inneren Lebens gewinnen lassen. Dazu mögen uns die folgenden Gedanken (nach P. A. Magni S. J., La nostra risposta al messagio di Fatima) dienen. Doch sollen wir den Rosenkranz, das große Bittgebet der Kirche nach dem Wunsche U. L. Frau von Fatima nicht bloß für uns selbst beten, sondern an den ersten Samstagen auch zur Genugtuung für die ihr zugefügten Beleidigungen und vor allem für die Anliegen der heiligen Kirche aufzuopfern. Nach jedem Gesetz sollen wir die Anrufung beifügen:
 
"O Jesus, verzeih uns unsre Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle; führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen."
 
 
 
 
 
 
 
1. Die freudenreichen Geheimnisse
 
 
1. Die Menschwerdung.
 
 
Marias Herz mußte frohlocken über die Botschaft des Engels, dass sie Gnade gefunden, die Fülle der Gnade in sich trug, der Herr wahrhaft im Herzen der Gebenedeiten unter den Frauen wohnte. - Sie mußte noch mehr sich freuen über die Kunde, dass der verheißene Messias nun auf die Erde herniedersteigen werde; - dass Er "der Sohn des Allerhöchsten" sein werde; - dass Er sie zu Seiner Mutter erwählt habe; - zur jungfräulichen Mutter kraft des Heiligen Geistes. - Welch unermeßliche Freude mußte ihr Herz erfüllen über die Offenbarung der höchsten Geheimnisse des Glaubens: der Heiligsten Dreifaltigkeit, der sie so nahe treten durfte; - der Menschwerdung und Erlösung, zu denen sie durch ihr Fiat beitragen sollte. - Welch eine Freude über die Herrlichkeit ihres Sohnes mußte sie als Mutter empfinden bei der Gewißheit, dass Ihm Gott den Thron Seines Vaters David geben, Sein Reich ohne Grenzen sein werde, dass Er herrschen werde in Ewigkeit!
Sind nicht auch unsre wahren Freudenquellen das Bewußtsein sündenrein im Stande der Gnade zu sein: "Selig die reinen Herzens sind; sie werden Gott anschauen" (Mt 5, 8); - das Bewußtsein der Auserwählung als Glieder des Reiches Christi durch die Berufung zum wahren Glauben: "Wer glaubt, wird gerettet werden" (Mk 16, 16); - die Herrlichkeit des Reiches Christi auf Erden, das sich ausbreitet über die ganze Welt; - mitwirken zu dürfen zur Erlösung an der Rettung der Seelen? Dass auch wir allzeit sprechen würden, wie die demütige Magd des Herrn: "Mir geschehe nach Deinem Worte" (Lk 1, 38). Ave Maria!
 
 
2. Mariä Heimsuchung.
 
 
Marias Herz frohlockte über das Wunder, das Gott in Elisabeth gewirkt: "Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich" (Lk 1, 37); - sie frohlockte, weil auch diese, "vom Heiligen Geist erfüllt", das Geheimnis der Menschwerdung erkannte; - über die Begnadigung des Kindes unter dem Herzen Elisabeths; - über ihre eigene Mission als Gnadenmittlerin; - bei ihrem demütigen Dienen, ihrer frohen Liebestätigkeit im Hause des Priesters Zacharias.
Die schönste Freude ist: andern Freude bereiten; - andern Christus bringen durch Worte und durch Taten der Liebe; - durch die leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit; - Wahrlich, Ich sage euch: "Was ihr einem dieser Meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan" (Mt 25, 40). Magnifikat für alle Gaben und Gnaden, die der Herr uns und andern durch Maria erwiesen, bei denen wir Mittler sein durften!
 
 
3. Die Geburt Jesu.
 
 
Nach der Vedemütigung durch die Bethlehemiten und trotz der großen Armut in der der Messias geboren werden wollte, ist Marias Freude unermeßlich groß über die wunderbare Geburt ihres Kindes. - Es ging aus ihr hervor wie ein Sonnenstrahl, der durchs Glas dringt, ohne es zu verletzen. - Es schenkte ihr zum Glück der Jungfräulichkeit höchste Mutterliebe aus. - Doch zeigte Es sich auch als der Herr und König des Himmels, über den die Engel auf den Fluren Bethlehems und die Weisen aus dem Morgenland Geschenke bringen; - den der Vater aus der Hand des Herodes wunderbar errettet.
Sollten wir uns nicht freuen, dass Jesus erhabene Mutter auch unsre Mutter ist; - dass auch wir dem Gotteskind bei der heiligen Kommunion unsre ganze Liebe schenken dürfen; - dass dieses Kind, unser erstgeborner Bruder, uns von Ewigkeit geliebt und Sich uns hingegeben hat (Gal 2, 20); - dass Es um unsertwillen so arm geworden ist, damit wir durch Seine Armut reich würden (2 Kor 8, 9); - dass dieses Kind auch heute noch von Armen und Reichen, von Gebildeten und Ungebildeten geehrt, geliebt und angebetet wird; - dass es über alle Seine Feinde immer wieder triumphiert? "Gloria in excelsis Deo...Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an, wir sagen Dir Dank ob Deiner großen Herrlichkeit...denn Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste Jesus Christus mit dem Heiligen Geiste in der Herrlichkeit des Vaters."
 
 
4. Die Aufopferung Jesu im Tempel.
 
 
Für das reinste Herz Mariä war es eine wahre Freude, sich dem Gesetz gemäß der Reinigung zu unterwerfen, obwohl sie als Gottesmutter ihrer nicht bedurfte; eine hohe Ehre war es ihr, dass sie der göttlichen Majestät das unendlich würdige Opfer ihres Sohnes darbieten konnte, den Eingebornen des Vaters, der Sich selbst bereits als Sühneopfer darbrachte; - dass Simeon ihr offenbarte, sie dürfe einst ihr Opfer mit dem Opfer ihres Sohnes vereinigen, wenn auch ein Schwert dabei ihr Herz durchbohren sollte; - dass ihr Kind aus dem Munde Simeons und Annas verherrlicht wurde, die den Trost Israels geschaut und nun in Frieden zu scheiden verlangten.
Auch für uns ist die hochherzige Erfüllung unserer Pflichten etwas, was uns ehrt und innerlich froh und glücklich macht; - wenn wir nicht bloß das Notwendige tun, sondern auch die täglichen Opfer dabei dem Herrn ergeben darbringen; - wenn wir jeden Morgen unsre Absichten mit denen des göttlichen Herzens und unser Opfer mit dem Seinen auf dem Altare vereinigen; - wenn wir erfahren dürfen, dass auch unsre Gebete erhört werden, obgleich wir um große Gnaden auch mit Ausdauer und unerschütterlichem Vertrauen beten müssen wie Simeon und Anna. Beten und opfern wir so, dass wir auch jeden Abend frohen Herzens unser Nunc dimiitis singen können.
 
 
5. Das Wiederfinden Jesu im Tempel.
 
 
Alles Leid vergeht, auch das große Leid der Mutter Gottes beim Verlust ihres zwölfjährigen Jesus wurde übertroffen durch die Freude beim Wiederfinden im Tempel. - Sie konnte sehen, wie Er Seine Weisheit geoffenbart, sogar die Lehrer Israels in Staunen versetzt hatte. - Erst recht war das Staunen und die Bewunderung Marias groß, als ihr Sohn nun wieder mit hinunter nach Nazareth ging und Er, der Schöpfer und Herr, Seinen Geschöpfen untertan, gehorsam blieb; wie Er aber auch heranwuchs und dabei Seine Weisheit und Liebenswürdigkeit mehr und mehr offenbarte. Eine große Freude für uns ist es, Jesus wiederzufinden und von Ihm getröstet zu werden; - wenn wir im Gebet mit Ihm vertrauensvoll verkehren dürfen, von Ihm erleuchtet und gestärkt werden; in Seiner Gegenwart wandeln und nach Seinem Beispiel alles zu tun suchen. Aber um dieser Freuden teilhaft zu werden, müssen wir uns bemühen viel und gut zu beten; - unser tägliches Leben durch die gute Meinung zu heiligen; - in allem Gottes heiligsten Willen zu suchen, stets "in dem zu sein, was des Vaters ist". "Herr, lehre mich Deinen Willen tun; Du bist mein Gott"
 
 
 
 
 
2. Die schmerzreichen Geheimnisse
 
 
1. Die Todesangst Jesu.
 
 
Das Herz Mariens litt unsagbar, als ihr Sohn ins Leiden ging und sie nicht mit Ihm gehen konnte, im Ihn zu trösten und Ihm beizustehen. - Sie litt mit Ihm das Entsetzen vor den schrecklichen Martern, die am Ölberg vor Seiner Seele standen und die Er den Jüngern wiederholt bis ins Einzelne vorausgesagt hatte; - sie erschauderte mit Ihm vor der Sündenlast der ganzen Menschheit, die Sein unschuldiges Herz bis zu Tode betrübte; - sie empfand Seine Traurigkeit über die Nutzlosigkeit Seines Leidens für so viele Menschen, die trotzdem verloren gehen. - Aber auch Marias Herz ist voll Ergebung und sie spricht ihr Fiat zum Leiden und Sterben ihres Sohnes um des Heiles aller ihrer Kinder, aller Menschen willen.
Wir müssen durch mancherlei Leiden und Trübsale geprüft werden und unsre Natur sträubt sich gegen alles, was unsren Wünschen und Neigungen, unsren Plänen und Arbeiten zuwider ist. Sind diese Leiden ohne unsre Schuld verursacht, dürfen wir mit Ergebung beten, dass dieser Kelch an uns vorübergehe. - Wir haben aber auch viel zu leiden als Folgen unserer Sünden und sollen mit dem heiligen Augustinus denken: "Hier brenne, Herr, hier schneide und schone meiner nicht, damit Du meiner schonest in der Ewigkeit." - Auch uns kann Erfolglosigkeit betrüben, kann die Schuld der Mitmenschen manches Leid bereiten. Wiederholen wir dann immer wieder mit dem Herrn: "Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine" (Lk 22, 42). - "Heiligstes Herz Jesu, in Deiner Todesnot wurdest Du durch einen Engel gestärkt. Stärke auch uns in unsrer Todesnot".
 
 
2. Die Geißelung Jesu.
 
 
Während Maria mit Johannes wohl verborgen auf dem Platz vor dem Richthaus des Pilatus stand, mußte sie von der furchtbaren Marter der Geißelung ihres Sohnes erfahren. Welch ein Schmerz für ihr Mutterherz, sie nicht hindern zu können; - diese grausame Tortur mitfühlen zu müssen. - Aber sie opfert ihr und ihres Sohnes Leid auf zur Sühne für unsre Sünden der Sinnlichkeit und Unreinheit.
Beten wir viel für jene, die um ihrer Gesinnung, ihres Glaubens willen unschuldig leiden müssen. - Nehmen wir freiwillig Werke der Buße auf uns zur Sühne für unsre Sünden der Sinnlichkeit; - um Kraft zu erhalten, unsre Begierlichkeit zu beherrschen und die heilige Keuschheit zu bewahren. "Reinstes Herz der heiligen Jungfrau Maria, erbitte mit von Jesus, ein reines, demütiges Herz!"
 
 
3. Die Dornenkrönung.
 
 
Marias Herz fühlte die Verdemütigung, deren ihr Sohn unterworfen wurde durch den Hohn und den Spott der Soldaten und opfert sie auf für unsre Sünden des Stolzes. - Sie fühlte den grausamen Schmerz der Dornen, die das Haupt ihres Sohnes verletzten um unsrer sündhaften Gedanken willen. - Sie fühlte den bitteren Gegensatz der Szenen, die das Volk Ihm bereitete, vor ein paar Tagen: "Hosanna dem Sohne Davids!" jetzt: "Hinweg mit diesem..., ans Kreuz mit Ihm !" (Lk 23, 18,22). - Sie fühlt die Schmach, die Ihm durch das Schweigen der Jünger bereitet wird. - Aber sie opfert für all die Gotteslästerungen, den Hass der Feinde und die Gleichgültigkeit der Jünger die Anbetung und Liebe ihres Mutterherzens dem Vater zur Sühne auf.
Unsre größten Verdemütigungen sind unsre Sünden, durch die wir uns nicht bloß vor den Menschen, sondern noch mehr vor Gott in Wahrheit aufs tiefste erniedrigen. - Verdemütigungen von seiten der Menschen sollen wir deshalb zur Sühne ertragen und mit dem heiligen Bernhard sprechen: "Ich schäme mich, so empfindlich zu sein, während Jesu Haupt mit Dornen gekrönt ist" - Auch wir können erleben, dass die besten Freunde uns in der Not verlassen, ja zu Feinden werden. Denken wir dann daran, dass Jesus uns nicht verläßt und setzen wir unser Vertrauen nicht auf Menschen, sondern auf den Herrn. "Jesus, sanft und demütig von Herzen, bilde unser Herz nach Deinem Herzen!"
 
4. Der Kreuzweg.
 
Welch ein Schmerz für Maria, zu hören, wie das Volk Gottes seinen Messias, ihren geliebten Sohn verwirft, Sein Blut über sich herabruft. Sie aber betet: Schone Deines Volkes, Herr! - Welch ein Schmerz, die Halbheit und Ungerechtigkeit des Pilatus wahrzunehmen, der Jesus immer wieder für unschuldig erklärt und Ihn schließlich zum grausamsten Tod verurteilt. Aber sie betet auch für ihn, dass die Ungnade, die er fürchtet, nicht noch schlimmer über ihn kommt, wie er denkt. - Welch ein Schmerz für Maria, ihren Sohn, geschwächt durch die Misshandlungen, mit dem Kreuze beladen zu schauen, und doch Ihm nicht helfen zu können. Aber sie weint nicht nur über Ihn, sondern noch mehr beim GEdanken an das Unheil, das über Jerusalem und ihr Volk einst kommen wird.
Sollten nicht auch wir leiden angesichts der Halbheit, der Ungerechtigkeit, der Gottlosigkeit der Menschen? - Bitten wir um die Gnade, ohne Menschenfurcht unsren Glauben zu bekennen; - unsre Leidenschaften beherrschen zu lernen, ehe sie uns in der Gefahr übermannen und zu Falle bringen. - Denken wir an das Wort des Herrn: "Wer Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und so folge er Mir" (Lk 9, 23). Bleiben wir aber auch dr Verheißung des Herrn eingedenk: "Selig, die Verfolgung leiden! Ihrer ist das Himmelreich" (Mt 5, 10). "Herz der Liebe, auf Dich setze ich mein ganzes Vertrauen. Von meiner Schwachheit fürchte ich alles, doch von Deiner Güte erhoffe ich alles". "Mutter der Liebe, Mutter der Schmerzen, Mutter der Barmherzigkeit, bitt für uns!"
 
5. Die Kreuzigung.
 
"Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut und seht, ob ein Schmerz wohl sei, wie der meine!" (Klg 1, 12). Ob ein Schmerz dem Schmerz des Mutterherzens gleicht, da sie die Hammerschläge auf die Hände und Füße ihres Sohnes niederfallen hört; - da Er zwischen zwei Räubern, verspottet und verhöhnt drei Stunden lang am Kreuze hängt? - Doch auch sie betet: "Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!" (Lk 23, 34). In tiefe Trauer versenkt, vernimmt sie das Wort ihres Sohnes vom Kreuz herab: "Frau, siehe da, deinen Sohn!" Statt des Gottessohnes sollen Johannes und alle sündigen Menschenkinder ihr Anteil sein! Doch sie wird gerne, wenn auch unter unsagbaren Schmerzen, die Mutter aller Lebendigen, unsre gebenedeite Mutter. - Ihr Herz fühlt die Gottverlassenheit ihres Kindes und betet die unendliche Gerechtigkeit der Göttlichen Majestät an: "Gerecht bist Du, o Gott, und gerecht sind Deine Gerichte" (Ps 118, 137). Sie opfert ihren Sohn für das Heil der Welt. - Das Herz ihres Sohnes wird von einer Lanze eröffnet, ihr Mutterherz aber vom Schwert des Schmerzes durchbohrt und "sie wäre in Wahrheit gestorben, wenn es so der Absicht Gottes entsprochen hätte" (Hl. Ambrosius).
Wer dürfte vor Jesus am Kreuz und der Schmerzensmutter unter dem Kreuz mit Gott rechten: Warum muß ich gerade das leiden? Jedes Kruzifix soll uns mit Hass gegen die Sünde und mit Liebe zu Gott erfüllen; denn das Leiden und Sterben Christi ist unsre Erlösung vom ewigen Leid. - Jedes Leid läutert und heiligt uns. - Wir dürfen ergänzen was den Leiden Christi noch fehlt für Seinen Leib, die Kirche (Kol 1, 24). - Um der Leiden Christi willen hat Gott uns verziehen. Denken wir daran, wenn wir vor den Opferaltar treten, dass auch wir verzeihen müssen und beten: "Vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. - Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und benedeien Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst" (3 J. A.). Seele Christi, heilige mich... "Heilige Mutter, drück die Wunden, die dein Sohn am Kreuz empfunden, tief in meine Seele ein!"
 
 
 
 
 
3. Die glorreichen Geheimnisse
 
1. Die Auferstehung
 
Bei der Auferstehung ist das Hohepriesterliche Gebet des Herrn erfüllt: "Ich habe Dich auf Erden verherrlicht...Und nun verherrliche Du Mich, Vater, bei Dir, mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war" (Jo 17, 4-5). Der Sohn Marias erstand in Herrlichkeit als Sieger über den Tod; Christus lebt in Ewigkeit: als Sieger über alles Leid, nicht mehr als Schmerzensmann, sondern als der verklärte Gottmensch, dem kein Leid mehr nahen kann; - als Sieger über Seine Feinde: sie haben zwar den Tempel Seines Leibes niedergerissen, aber in drei Tagen hat Er ihn wieder aufgebaut (Jo 2, 19); - als Sieger über die Sünde: "Er wurde auferweckt für unsre Rechtfertigung" (Röm 4, 25); - als Sieger über den Unglauben Seiner Jünger: sie fallen nieder und beten an: "Mein Herr und mein Gott" (Jo 20, 28). - Die Herrlichkeit des Sohnes ist auch die Herrlichkeit der Mutter. Sie war Ihm gefolgt bis in den Tod, sie teilt auch Seine Siegerherrlichkeit.
Die Herrlichkeit des Auferstandenen soll auch unsre Herrlichkeit sein: die Herrlichkeit unseres Glaubens: "Das ist unser Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube" (1 Jo 5, 4), fest begründet auf der Auferstehung unsres Herrn; - die Herrlichkeit unsrer Hoffnung: Ist Christus auferstanden, so werden auch wir auferstehen; - die Herrlichkeit unsrer Liebe zu Jesus im heiligsten Sakrament, in dem Er fortlebt und wir in Ihm, bis Er uns auferweckt am Jüngsten Tage (Jo 6, 55); - die Herrlichkeit unsrer Treue gegen Ihn, indem wir Ihm nachfolgen in einem neuen Leben (Röm 6, 4) und suchen was droben ist (Kol 3, 1); - die Herrlichkeit unsrer Buße und Sühne selbst: "Wenn wir mit Ihm leiden, werden wir auch teilhaft Seiner Herrlichkeit" (Röm 8, 17). "Des freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele: Du läßt Deinen Frommen nicht schauen die Verwesung, Du zeigst mir den Pfad zum Leben, bei Dir die Fülle der Freuden, zu Deiner Rechten ewige Wonne" (Ps 15, 9-11). Maria, Ursache unsrer Freude, bitte für uns!
 
2. Die Himmelfahrt
 
Unermeßlich ist die Herrlichkeit des Herrn, dem Macht gegeben ist über Himmel und Erde: die Macht, Seine Apostel in die ganze Welt auszusenden, vor Könige und Völker, um Sein Reich aufzurichten (Mt 28, 19); - die Macht selbst in Seiner Kirche zu bleiben bis zum Ende der Tage (Mt 28, 20); - den Heiligen Geist des Dreifaltigen Gottes zu senden (Lk 24, 49), der Ihn selber verherrlicht (Jo 16, 14); - die Macht allen, die an Ihn glauben, Wohnungen im Himmel zu bereiten (Jo 14, 2); - die Macht, vom Ölberg, wo Sein Leiden begann, triumphierend in den Himmel aufzufahren; - die Macht, in Seine Herrlichkeit einzugehen unter dem Jubel aller Engel und Heiligen; - die Macht, zur Rechten des Vaters Platz zu nehmen (Mk 16, 19) und auch als Menschensohn an der Huldigung der Geschöpfe gegenüber der göttlichen Majestät teilzunehmen; - die Macht, als Haupt der Kirche, als Hoherpriester in Ewigkeit "allzeit Fürsprache für uns einzulegen" (Hebr 7, 25); - die Macht, als Fürst und Herr aller Dinge der Natur und der Übernatur, als König aller Könige und aller Zeiten im Himmel und auf Erden zu herrschen; - die Macht, am Ende der Weltzeit auf den Wolken des Himmels zu kommen, um zu richten die Lebendigen und die Toten. "So wird er wiederkommen, wie ihr Ihn habt auffahren sehen" (Akt 1, 11).
Er hat Sich erniedrigt und deshalb ist Er erhöht worden und hat einen Namen über alle Namen erhalten. Wer ist Ihm darin am ähnlichsten geworden? Wer anders als die demütige Magd des Herrn, Seine heiligste Mutter in ihrem verborgenen Leben auf Erden. Deshalb darf sie auch am meisten Seine Macht im Himmel teilen und Seine Wiederkunft in Herrlichkeit vorbereiten. - Wer sich erniedrigt, der wird erhöht werden" (Lk 14, 11), gilt auch uns. Die Demut besiegt das Herz Gottes. Den Demütigen gibt Er Seine Gnade in Fülle. Tiefste Demut ist das Mittel, einen hohen Platz im Himmel zu erwerben. - "Dem König der Ewigkeit, dem unsterblichen, unsichtbaren, einzigen Gott, Ihm sei Ehre und Ruhm in Ewigkeit. Amen.
 
3. Die Herabkunft des Heiligen Geistes
 
Maria erfleht mit den Aposteln im Abendmahlsaale die Verheißung des Herrn. - Auf sie war Er schon bei der Menschwerdung in besonderer Weise herabgekommen und bat sie zu ihrem Magnifikat begeistert. - Am Pfingstfeste aber darf sie die Herrlichkeit des Heiligen Geistes schauen im Sturmwind und in den Feuerzungen, - in der Umwandlung der Apostel zu feurigen Predigern des Evangeliums, die voll der Kraft des Heiligen Geistes ohne Furcht vor die Juden hintreten und den Auferstandenen verkünden; - in der Bekehrung von dreitausend, die sich an jenem Tage der Kirche anschließen, nachdem sie das Sprachenwunder erlebt hatten; - in den wunderbaren Gaben und Gnaden, die der Heilige Geist über die ersten Christen ausgießt, auf dass sie "ein Herz und eine Seele" in der Einheit des Glaubens und in der Liebe beim Brotbrechen verharrten.
Das Licht und die Kraft des Heiligen Geistes soll auch uns immer mehr erfüllen in der Taufe, in der Firmung und durch alle heiligen Sakramente; - durch die Einsprechungen Seiner Gnade, durch die Er selbst uns führt und leitet: "die Liebe Gottes ist in unseren Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Röm 5, 5). - "Heiliger Geist, willkommener Gast unsrer Seele, bleib bei mir und gib, dass ich stets in Dir bleibe!" "Heiliger Geist, Du Geist der Wahrheit, komm in unsre Herzen! Schenke den Völkern Dein Licht und Deine Klarheit, damit sie im Glauben eins werden und so Dir wohlgefallen!"
 
4. Die Aufnahme Marias in den Himmel
 
Im Leben war Marias Herrlichkeit verborgen, im Tode aber leuchteten sie auf in ihrer ganzen Herrlichkeit. - Liebessehnsucht trennte ihre heilige Seele vom Leib an einem 13. August, wie die Überlieferung sagt. (Der 13. August wurde deshalb in Portugal jahrhundertelang als Marias Todestag besonders gefeiert.) - Der heilige Bundesschrein und Tabernakel des Allerhöchsten, ihr heiliger Leib, durfte die Verwesung nicht schauen. Nach drei Tagen wurde Maria in den Himmel aufgenommen, von allen Engeln und Heiligen des Himmels begrüßt als die neue Eva und Stammmutter aller Auserwählten, die Frau, die der Schlange das Haupt zertreten. - Begrüßt wurde sie von ihren heiligen Eltern, von ihrem Bräutigam, dem heiligen Joseph; - von Jesus selbst, dem Gottessohn, der sie mit unendlicher Liebe als Seine heilige Mutter empfing; - von der heiligsten Dreifaltigkeit unter dem Beifall des ganzen Himmels: Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnade!
Was ist das Geheimnis, durch einen heiligen Tod sofort in den Himmel einzugehen, um Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen? Reinheit des Gewissens, Abscheu vor der Sünde und vor dem Geist der Welt, treue Pflichterfüllung, Vereinigung mit Gott durch eifriges Gebet und Wandel in Seiner Gegenwart, makellose Heiligkeit der Seele. - Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung sei gegrüßt!
 
5. Krönung Marias
 
Die Krönung Marias in Fatima, sagte der Heilige Vater in seiner Radiobotschaft vom 13. Mai 1946, erinnert an jene andere, da "die seligste Jungfrau voll Herrlichkeit jubelnd in das himmlische Vaterland einzog, durch die Reihen der Seligen und die Chöre der Engel schritt, hin zum Thron der erhabenen Heiligsten Dreifaltigkeit. Da ward ihre Stirn mit einer dreifachen Krone der Herrlichkeit gekrönt und sie wurde dem ganzen himmlischen Hofe vorgestellt, sitzend zur Rechten des unsterblichen Königs der Jahrhunderte als gekrönte Königin des Weltalls. Die Himmel aber sahen, dass sie wahrhaft würdig ist, die Ehre, die Macht und die Herrlichkeit zu empfangen." - Warum aber wurde sie mit solcher Herrlichkeit gekrönt? Der Heilige Vater sagt, weil sie voll der Gnade, "viel, unendlich mal viel heiliger, schöner als die größten Heiligen, nicht nur als die einzelnen, sondern als alle zusammen" war; - weil sie "auf Grund der Menschwerdung des Sohnes Gottes mit der ganzen heiligsten Dreifaltigkeit in geheimnisvoller Weise verwandt ist, verwandt mit dem, der durch Sein Wesen die unendliche Majestät ist, der König der Könige und der Herr der Herrscher"; - weil sie "dem König der Martyrer als Mutter und Gehilfin bei dem unaussprechlichen Werk der Erlösung der Menschen beigesellt war"; - darum ist sie auch für immer mit einer fast unbegrenzten Macht an der Austeilung der Gnaden beteiligt, die von der Erlösung herkommen". Gottes Geschenk ist also Marias Herrlichkeit. Aber sie hat sie sich auch mitverdient als die demütigste und getreueste Magd des Herrn, als die Königin aller Martyrer. Sie hat sich wie ihr Sohn erniedrigt und ist gehorsam geworden bis zum Tode. Deshalb hat der Herr sie so hoch erhoben und auch ihr einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, so dass alle Knie sich vor ihr beugen müssen und bekennen: Maria ist die Königin des Himmels, die Herrin des ganzen Weltalls.
Wenn wir einst "den unverwelklichen Kranz der Herrlichkeit" (1 Petr 5, 4), "die Krone der Gerechtigkeit" erlangen wollen, die allen hinterlegt ist, die die Wiederkunft des Herrn lieben, dann müssen wir mit dem Apostel den Glauben bewahren und den guten Kampf kämpfen (2Tim4, 7-8). - Das aber werden wir um so sicherer vermögen, als wir mit großem Vertrauen und kindlicher Liebe zu unserer himmlischen Mutter und Königin aufschauen und sie als die Mittlerin aller Gnaden verehren; denn wer Maria und ihr Unbeflecktes Herz besonders verehrt, wird sicher gerettet werden. "Königin des heiligen Rosenkranzes, bitte für uns!" "Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung!"
 

Musik 

   

 



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