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Vergesst Eure heiligen Engel nicht

 

 

Das gewichtige Zeugnis der Bibel und der Überlieferung
Was sagt die Bibel zu den heiligen Engeln? Sie lässt uns an hundert und hundert Engelstellen etwas von deren Schönheit, Grösse und Macht ahnen, aber nur ahnen. Die Engel sind die Ersterschaffenen Gottes, seine strahlendsten Ebenbilder, ausgestattet mit einem leuchtenden Verstand, mit gottnaher Erkenntnis, mit machtvollem Willen, den Gesetzen von Raum und Zeit niemals unterworfen, kraftgewaltige Vollstrecker des göttlichen Wortes. Alles was wir von den Engeln sagen oder schreiben ist vom menschlichen Erkennen und Erleben her beurteilt; es reicht nie im entferntesten an ihre himmlische Herrlichkeit. Sie sind nach Petrus "Träger der Herrlichkeit" (2 Petr 2,11). Leider haben die Menschen die Engel in ihren Darstellungen verniedlicht und oft grausam verkitscht.
Die Heiligen Schriften deuten eine Hierarchie der Engel in neun Chören an: Seraphim, Cherubim und Throne, Herrschaften, Gewalten und Fürstentümer, Mächte, Erzengel und Engel. Die drei obersten Chöre dienen der Anbetung des dreieinigen Gottes. Sie sind die grossen flammenden Beter des Himmels und des Universums; sie sind zugleich die Mittler zwischen Gott und den tiefer stehenden Chören.
Die drei mittleren Chören sind als dienstbare Geister Gottes, als Beherrscher der Elemente in die ganze Schöpfung eingebaut. Jeder ist mit einer besonderen Aufgabe betraut.
Die drei untersten Chöre sind in die Menschwerdung und Erlösung hineingestellt. Sie sind Diener Jesu Christi und seiner Kirche sowie aller Menschen. Sie führen, behüten, beraten, mahnen und verteidigen die Menschen im Kampf gegen die unheimlich aktiven, höllischen Mächte. Sie sind die Mittler zwischen Gott und den Menschen.
 
...auf ihren Händen sollen sie dich tragen!
Im Alten Testament ist König David Kronzeuge für diesen wunderbaren Helferdienst im Auftrag Gottes. Er bekennt im Psalm 90, diesem ergreifenden Hohen Lied des Gottvertrauens: "Gott hat seinen Engeln deinetwegen befohlen, dich zu behüten auf all deinen Wegen; sie sollen auf ihren Händen dich tragen, dass an keinem Stein stosse dein Fuß; schreiten kannst du auf Nattern und auf Schlangen, zertreten wirst du Löwen und Drachen." (Ps 90/11-13)
Eine wundervolle Stelle, die uns einmalig Gottes Vaterliebe zum Menschen, seinem Ebenbild, aufleuchten lässt. Er hat nicht nur seinen Sohn für uns dahingegeben; er hat uns auch seine Diener zur Seite gestellt, die schon einmal am Anfang des Tages das Böse besiegten. Nach seinem Willen sollen die Engel die Menschen auf allen Wegen geleiten und vor Schädigungen des Leibes und der Seele behüten.
Stein bedeutet nach den Gottesgelehrten die steinernen Tafeln des Moses mit den Zehn Geboten Gottes. Die Engel sollen uns also zu allererst vor Übertretungen der Gottesgesetze bewahren helfen. Sie sollen uns ferner schützen vor Nattern und Schlangen, d.h. vor Bosheit, Neid, Missgunst, Falschheit, Lügenhaftigkeit der Menschen und des Teufels; sowie vor Löwen und Drachen, das ist Gewalt und Ungerechtigkeit, denen wir im Leben ausgesetzt sind.
 
"Ihre Engel schauen in das Angesicht meines Vaters."
Im Neuen Testament ist Kronzeuge Jesus, die ewige Wahrheit selbst, er sagt: "Seht zu, dass ihr keines von diesen Kleinen verachtet, denn ich sage euch, ihre Engel schauen immerdar das Antlitz meines Vaters, der im Himmel ist." (Matth. 18/10-11) Der Herr hebt gegenüber der Wehrlosigkeit und Schwachheit der Kleinen diesen wesentlichen Umstand hervor, dass sie alle einen Engel haben und dass diese Engel in das Angesicht des himmlischen Vaters schauen, - etwas Wunderbares - Göttliches, und dass sie darum von dort herrliche Erkenntnisse, Macht und Beeinfussungskräfte für ihre Schützlinge erhalten. Wenn auch an dieser Stelle Jesus nur von Engeln der Kinder spricht, so ist es katholischer Glaube von Anfang an, dass alle Menschen einen Engel haben, denn es ist im Alten und Neuen Bunde immer wieder von den geleitenden, schützenden, helfenden Engeln die Rede.
Einige Beispiele dafür: Ein Engel tröstete die weinende Hagar und zeigt ihr für das verdurstende Kind die rettende Quelle; Engel führen Lot und seine Familie aus der brennenden Stadt Sodoma; der Engel Raphael geleitete Tobias in das fremde Land, rettete ihn vor dem Rachen des Fisches, führte ihm in Sara eine gute, tüchtige Lebensgefährtin zu, brachte ihn wieder heil nach Hause und schenkte dem blinden Vater das Augenlicht wieder; ein Engel war bei Josua, als es soweit war, dass die Israeliten in das Land der Verheißung einziehen sollten; ein Engel munderte Gedeon zum Kampfe auf; ein Engel rettete Samson aus der Knechtschaft der Philister; ein Engel des Herrn schlug in einer Nacht 185 000 Mann im Lager der Assyrer; auch die Makkabäer wurden durch Engel im Kampf unterstützt.
Engel führten Petrus und Johannes aus dem Gefängnis; ein Engel befreite den schlafenden Apostelfürsten aus dem mit vier Wachen besetzten Kerker, und als die Mitjünger nachts von der Magd erfuhren, Petrus stehe draussen an der Tür und klopfe, da sagten sie: "Du bist von Sinnen; das ist nicht er, es ist sein Engel."
Auch erfahren wir aus der Bibel, dass die Engel den Sterbenden beistehen und ins himmlische Reich geleiten. Der Herr selbst hat uns dies in der Parabel ganz plastisch erzählt: "Da starb der Arme (Lazarus) und wurde von den Engeln in den Schoss Abrahams getragen" (Lk 16/22). Christus der Herr kam, um alle zu retten. Er will nicht, so sagt Petrus in seinem 2. Brief, dass auch nur ein einziger verloren gehe. Alle sollten zur Sinnesänderung kommen. Dazu sind die Engel als mächtige treue Helfer gegeben. Ja immer und immer ist die Rede von den heiligen Engeln als Wächter und Schützer, als Geleiter und Helfer der Menschen. Es ist Glaubenssatz der Kirche, dass jeder Mensch durch das Erbarmen Gottes einen Schutzengel hat. Da diese den einzelnen Gliedern des mystischen Leibes Christi dienen, dienen sie Christus dem Haupt selbst.
 
Wunderbares Zeugnis der Kirchenväter und Heiligen Gottes
Der heilige Hieronymus lehrt: "So gross ist die Würde der Seele, dass eine jede von Geburt an, einen Engel zu ihrem Schutz zugewiesen erhält."
Die heilige Cäzilia sagt zu ihrem jungvermählten Gatten: "Ich habe einen Engel als Beschützer meines Leibes, der eifersüchtig auf meine Ehre ist; verletze sie nicht."
Der heilige Augustinus bekennt: "Wenn Gott die Menschen so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn in die Welt gesandt, warum soll er nicht seine Engel schicken? - Mit grosser Sorgfalt und achtsamen Eifer stehen uns die Engel zu allen Stunden und an allen Orten hilfreich bei. Sie eilen besorgt zwischen uns und Gott hin und her." Und er fährt fort: "Ach, wie doch die Engel uns lieben: sie helfen in der Arbeit, sie beschützen in der Ruhe, sie feuern im Kampfe an, sie krönen im Siege." Gross ist ihre Sorge; gross der Erweis ihrer Liebe zu uns.
Der heilige Bernhard beteuert: Eine Seele ist nie ohne Geleit der Engel und sage mir keiner, wo sie sind oder wer sie gesehen. Diese so erleuchteten Geister wissen, dass euere Seele mehr Wert hat, als die ganze Welt."
Sagt, ist das nicht eine lichte, trostvolle Wahrheit? Sollen wir nicht von Herzen dafür danken! - Magnificat!
Thomas von Aquin lehrt: "Die heiligen Engel beginnen ihr Schützeramt vor der Taufe. Sie verlassen die ihnen Anvertrauten nie ganz, so gottlos sie auch leben mögen." Ein edler Dichter wagt hinzuzusetzen: "Der schmutzigste Strolch ist so wertvoll, dass er von einem beschützt wird, der über ihn ganz allein wacht." (Leon Bloy)
 
Der Glaube an den Schutzengel wird wieder lebendiger werden
Hier darf eingeschaltet werden, dass es kindisch und doch gotteslästerlich ist, wenn Sowjetskaja Rossya behauptete, dass der Astronaut Gagarin bei seinem Weltraumflug keine Engel angetroffen habe. Wir fragen, wo und wann hat das Christentum gelehrt, dass etwa die Engel in 200 bis 400 Kilometer Entfernung von der Erde herumschwirren, oder dass Gott in einem bestimmten Punkt des Weltalls seinen "Wohnsitz" habe.
Die moderne Technik, genährt von einer materialistischen Weltanschauung, hat vielfach den Glauben an Gott und an die Engel aus unserer Zeit verbannt. Dadurch, dass im täglichen Leben in Presse, Funk, Fernsehen die Wirklichkeit Gottes dauernd unterschlagen wird, dass der Name Gottes fast nie genannt wird, noch weniger sein Wirken, wird das Christentum immer mehr abgebaut, ja es wird dem Christen immer schwerer gemacht.
Aber die dämonischen Auswirkungen der Technik von heute, die laufend unverantwortlichen Versuche mit Atombomben, die dadurch nachgewiesene Vergiftung der Atmosphäre, die noch nicht vorauszusehenden Gefahren und Schädigungen für Menschen und Dinge, steigern das Verlangen nach Geborgenheit, nach Hilfe, nach Schutz. Diese aber können die Menschen nicht geben. Darum wird der Glaube an den Schöpfer, der Glaube an den Schutzengel bei vielen in dieser Zeit wieder wacher, wieder lebendiger werden. "So mag es sein, dass nun wieder die Stunde der Engel ist, wie auch die Stunde Gottes unter dem Sturmesbrausen entfesselter Schöpfungskräfte neu angebrochen ist." (Winkelhofer)
Schutzengelerscheinungen, wie sie früher schon waren, gibt es heute noch; sie sind im Leben der modernen Heiligen verbürgt, ebenso im Leben besonders erwählter Seelen. Ich nenne die edle Mutter Maria Theresia Meyer-Bernhold (gest. 1952) und die edle Mutter Vogl (gest. 1956), die öfter ihren Schutzengel sahen und reden hörten.
 
Das tröstende Zeugnis der heiligen Liturgie
Noch ein Zeugnis für den Schutz- und Geleitdienst unseres heiligen Engels und zwar im wichtigsten Augenblick unseres Lebens darf hier angeführt werden: Im Augenblick unseres Heimgangs. Es ist das Zeugnis der kirchlichen Liturgie. Mit allen neun Chören umstellt die Kirche den scheidenden Christen. Sie sollen die Seele begleiten in die schweigenden Weiten der Ewigkeit, dass das Sterben durch die Hingabe des eigenen Seins an den Höchsten zum Gottesdienst werde. Die weihevollen Sterbegebete gründen in dem Schriftwort: "Deiner Seele, die aus dem Leibe zieht, eile die glanzvolle Schar der Engel entgegen."
 
 
Was ziehst du für Folgerungen daraus?
Keine anderen als diese: Mehr Glaube, mehr Vertrauen, mehr Liebe zu unseren heiligen Engeln. - Wohl gilt uns Christen der Glaube und die Liebe zu Gott als das Höchste und Erstrebenswerteste; wohl bleiben die heiligen Sakramente die wichtigsten Gnadenkanäle für unsere Heiligung und das heilige Messopfer der gnadenvollste Kult; aber der Glaube und die Liebe zu den heiligen Engeln machen unser Leben wesentlicher, reicher, geläuterter.
Ich schreibe ausdrücklich: der Glaube und die Liebe zu unseren heiligen Engeln (Mehrzahl!), und nicht bloß: zu unserem Schutzengel (Einzahl!), denn die Schrift sagt: "Gott hat seinen Engeln deinetwegen befohlen." - Gemeint sind auch die Engel derer, die um uns sind: deines Gatten, deiner Gattin, deiner Eltern, deiner Kinder, deiner Geschwister, deiner Vorgesetzten, deiner Untergebenen, deiner Nachbarn, deiner Arbeitskollegen und all derer, mit denen du täglich zusammenkommst.
Gott gab in seiner Vaterliebe jedem Menschen einen Engel zur Seite; jeder Engel darf und will in reichem Masse dienstbar sein. Freilich beengen die Engel in keiner Weise unsere Freiheit. Sie respektieren die Freiheit eines jeden, denn das ist der Wille Gottes, dass wir uns frei entscheiden. Sie können es nicht verhindern, dass wir ihnen entgegen handeln, dass wir sündigen und sogar freien Willens verlorengehen; wie notwendig, dass wir ihnen, diesen grossen Freunden, die immerzu in das Antlitz Gottes schauen, stets hörig, liebend und folgsam begegnen.
(Auszug aus: Vergesst Eure heiligen Engel nicht, von A.M.Weigl)

 

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