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Maria, die Mutter des Lebens
Das wollen wir zuerst klarstellen:
Maria ist unsere Mutter des Lebens. Sie schenkt uns das wahre Leben aus der Lebensfülle Gottes. Sie ist die neue Eva. Sie allein hat uns, vom Heiligen Geist erfüllt, das neue Leben aus Gott wieder gebracht, indem sie den Sohn Gottes empfangen hat, der durch sie Menschensohn geworden ist. So kam durch sie der neue Adam, der Erlöser, der Erstgeborene, wie der Völkerapostel sagt im Kolosserbrief:
"Gott hat uns befreit aus der Macht der Finsternis und in das Reich seines geliebten Sohnes aufgenommen. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und Unsichtbare. Er ist der Erstgeborene unter den Toten, damit er in allem den Vorrang habe. Es hat Gott gefallen, die ganze Schöpfung in ihm wohnen zu lassen und durch ihn alles mit sich zu versöhnen." (Kol 1,13)
Es ist der 1. Januar 1993. Die Kirche feiert das Hochfest der Gottesmutter. Es müßten vor allem die Christen sehr darüber erfreut sein. Ein Menschenkind ist wahrhaft Gottesmutter geworden. Freilich die unbefleckte neue Eva. Das ist trotzdem unbegreiflich. Aber es ist so. Wenn wirs auch mit unserem kleinen Menschenverstand nicht fassen können, Maria hat tatsächlich den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfangen, damit er durch sie Menschensohn werde, um als Erstgeborener alles mit Gott zu versöhnen.
Jesus Christus ist Gottes Sohn von Ewigkeit. Er ist Gott wie der Vater und der Heilige Geist. Nun ist er durch Maria auch Mensch geworden. Beide Naturen oder Wesen sind vereint in der einen Person Gottes Sohn, Sohn des Vaters. So grüßen wir und beten wir an im Menschensohn Jesus Christus den ewigen unendlichen und heiligen Gott wie den Vater und den Heiligen Geist. Das soll uns klar sein bei allen Betrachtungen über Maria und ihrem geliebten Sohn Jesus Christus.
Maria ist Gottesmutter, wie das Konzil im Jahre 431 sicher definiert hat. Maria wußte von Anfang an, nachdem sie den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfangen hatte, dass ihr Sohn der Sohn Gottes ist. In aller Stille hat sie ihn in ihrem Schoß angebetet und nach der Geburt mit Josef in besonderer Liebe angebetet.
Mutter des Lebens sollen wir Maria freudig nennen. Sie hat uns Jesus geboren, der uns allen das Leben ist, das wahre unsterbliche Leben aus Gott. Jesus sagt uns: "Ich bin dazu gekommen, damit die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben."
Maria ist durch den Heiligen Geist nicht nur die Mutter des Sohnes Gottes geworden, sondern auch die Mutter aller Kinder Gottes. Hätte Maria nicht ja gesagt als der hl. Engel ihr die Botschaft gebracht hat und hätte sie dafür nicht durch ihr reinstes Herz sich bewahrt, wäre Jesus nicht gekommen als der Erlöser zum neuen Leben.
Neben Jesus, dem neuen Adam, musste auch Maria als die neue Eva für alle zu erlösenden Menschenkinder als Mutter des Lebens ihr Herz und ihr ganzes Wesen öffnen. Das hat sie getan. Dafür hat der Heilige Geist sie auserwählt und ihr Herz bereitet. Dazu musste sie, die unschuldigste und reinste Jungfrau mit ihrem Sohne, dem neuen Adam, das furchtbarste Erlösungsopfer erleiden.
Wir können sagen:
Am Kreuze und unter dem Kreuze haben Jesus und Maria die Geburtsschmerzen zur Geburt der neuen Kinder Gottes erlitten. Darum verlangt mit Recht Maria in ihren Botschaften, dass sie den Titel Miterlöserin verdiene. Nicht als ob sie die Menschen aus sich selbst hätte erlösen können. Niemals. Das konnte nur der Sohn Gottes, die Liebe Gottes in ihrer unendlichen Heiligkeit und Reinheit wieder herstellen. Maria jedoch sollte als die neue Eva mit ihrem ganzen Liebesopfer dabei mithelfen. Das hat sie getan, und das tut sie heute noch bei allen hl. Opfern ihres göttlichen Sohnes, der immer noch in seiner heiligen Kirche zur Erlösung aller Menschen, die erlöst werden wollen, sein Erlösungsopfer erneuert. Nie ist Jesus allein. Maria ist überall mit Scharen von hl. Engeln und Heiligen dabei gegenwärtig, opfert und betet an.
Die erste Stammmutter Eva im Paradies hatte die größte Schuld zum Abfall der Menschen von Gott. Darum mußte zur Versöhnung mit Gott Maria als die neue Eva alles von der ersten Eva wegbüßen. Denn die erste Eva blieb dem Blute nach Stammmutter aller Menschen. Alle haben wir die Erbschuld von der Eva und von Adam zu tragen. Alle sind wir des Todes schuldig geworden und sind in Gefahr, dem ewigen Tod der Hölle zu verfallen.
Gott hatte von alters her, schon im Alten Bund, Erbarmen mit uns Menschen. Aber seine heiligste Gerechtigkeit konnte trotz aller Liebe uns nicht wieder als Kinder anerkennen. Dafür musste eine neue Eva mit einem neuen Adam in völliger und reinster Opferhingabe den heiligsten Willen Gottes bejahen, um die Ablehnung der ersten Stammeltern gegen Gottes Willen auszulöschen. Das scheint für unseren kleinen Schubladenverstand unbegreiflich. Wir denken, Gott hätte doch einfach alles aus Liebe verzeihen können. So denken wir, weil wir keine Ahnung haben von der unendlich reinen und heiligsten Liebe Gottes.
Einmal werden wir das ein wenig einsehen in der Herrlichkeit des Himmels. Für jetzt bleibt uns nur das stumme Aufschauen zum Kreuze unseres Erlösers. Und darum steht immer noch die Schmerzensmutter. Nicht übersehen!
Maria wusste von Kindheit an, vom Heiligen Geiste erleuchtet, dass ein Lamm Gottes kommen müsse, um die Ursünde und alle Sünden der Menschen wegzubüßen. Und sie wird als Sühneopfer ihr ganzes Herz mit dafür einsetzen.
Bei der Aufopferung ihres Sohnes im Tempel hat es ihr der greise Prophet Simeon gesagt: "Deine Seele wird ein Schwert durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden."
Aber dass ihr göttlicher Sohn in solch namenlosen Qualen hilflos und verachtet, wie der gemeinste Verbrecher hingemartert wird, das hätte sie nie gedacht. Als es dennoch so weit war, hatte sie keinen Augenblick gezögert, alles mit ihm zu leiden. Sie wusste, die Heiligkeit und Reinheit der Liebe Gottes konnte nur so wieder hergestellt werden und in neuer Liebe zu den Menschen sich niederneigen.
Als ihr göttlicher Sohn am Kreuze aufschrie: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! Da erlitt Maria mit Jesus in ihrem Herzen das unbeschreiblichste Grauen des ewigen Todes. Sie ahnte zugleich auch:
"Nun ist der Fluch des Todes vernichtet! Alle Menschen gutten Willens, die vertrauend zum Kreuze aufschauen, empfangen das Leben aus dem Herzen Gottes, können wieder Kinder Gottes sein."
Als Jesus den Sünetod gestorben war, sah sie den Hauptmann, der mit der Lanze das Herz ihres Sohnes durchstieß. Sie spürte den Stoß auch in ihrem Herzen. Aber sie wusste: "Das Herz ihres göttlichen Sohnes musste allezeit für alle Menschen offenstehen, damit jeder durch dieses Herz die Fülle des Lebens und der Liebe Gottes empfangen kann, der in Liebe und Vertrauen zu ihm aufschaut."
Maria schaute den Leichnam ihres Sohnes, wie die frommen Männer ihn vom Kreuze lösten. Sie hatte sich auf einen Stein gesetzt und ihre Arme weit ausgebreitet.
Lazarus, wohl der stärkere der Männer, verstand sie. Er legte den Leib ihres Sohnes in ihren Schoß.
Mit welch innigster Schmerzensliebe hat sie ihren Sohn umarmt und an ihr Herz gedrückt! Nun durfte sie wieder eins sein mit ihm. Eins sein mit ihm, die neue Eva mit dem neuen Adam. Nun haben sie es vollzogen: Die qualvollste Geburt für die Kinder Gottes!
Da aber waren sie nicht allein und verlassen, die neuen Stammeltern. Da war vor allem der Heilige Geist, der heiligste Bräutigam Mariens, der sie innigst umarmte und ihr sagte:
"Nun, meine teuerste Braut, bist du eins mit ihm. Du hast mit ihm das Werk der Erlösung vollbracht. Nun bist du mit ihm die neue Eva, die neue Stammmutter, die Mutter des Lebens."
Wir können uns nicht vorstellen, mit welch innigster göttlicher Liebe der Heilige Geist Maria und ihren Sohn umarmt hat. Und sicherlich auch Gott Vater. Der Sohn hatte ja nun mit ihr den Liebesauftrag des Vaters erfüllt. Die ganze Menschheit ist entsühnt. Alle Menschen können wieder Kinder Gottes sein. Das Herz Gottes steht für alle offen. Sichtbar im Herzen des Sohnes. Und die ganze Menschheit hat wieder eine heiligste Mutter, eine Stammmutter aller Kinder Gottes. Aus dem Blute ihres Sohnes können sie alle neu geboren werden.
Aber wie Gottes Wesen herrlichste freie Liebe ist, so kann auch jedes Menschenkind nur in freier Liebe zum Leben Gottes heimfinden. Da gibt es keinen Zwang. Gott will keine Knechte.
Auch Kinder Mariens können Menschenkinder nur werden in freier Hingabe. Liebe ohne innerste Freiheit ist keine Liebe.
Als Jesus vom Tode auferstanden war und das Osteralleluja endlich bis in die Unterwelt zu den Verstorbenen drang, stand die erste Eva flehend Maria gegenüber. Sie war ja nun durch die Erlösung Christi mit Adam auch erlöst, da sie beide so tief bereut hatten. Aber alles Unheil, das durch ihre Schuld über die ganze Menschheit gekommen war, brannte noch in ihrem Mutterherzen. Sie hatte Jahrtausende büßend und sehnend ausgeschaut nach der neuen Eva, als sie wusste, dass sie kommen werde.
So stand nun Eva bewundernd Maria gegenüber:
"Du seligste, gnadenvollste Jungfrau und Mutter, du Mutter des Erlösers, du Mutter Gottes, du Mutter aller Menschen, die Gotteskinder werden wollen, du mein Trost und meine Hoffnung, lass mich dich schauen! Ich darf dich nicht umarmen, nicht liebkosen, ich bin nicht würdig, obgleich mein ganze Wesen danach brennt. Aber lass mich dich schauen und dir danken!"
Sie sinkt vor Maria in die Knie. Maria hebt sie sofort auf und umarmt sie:
"Nein, meine Schwester, vor mir darfst du nicht knieen! Vor meinem Sohn wirf dich auf die Knie und danke ihm! Er hat dich erlöst. Ich bin nur seine Mutter und durfte ihm helfen bei seinem Erlösungswerk."
Eva mit strahlenden Augen antwortet:
"Ja, wir haben alles geschaut aus der Vorhölle in sehnlichster Hoffnung. Wir haben geweint über deine Opferliebe. Gar nicht zu reden vom heiligsten Opfer deines Sohnes. Wir sahen, was wir angestellt hatten, indem wir Satan geglaubt haben. Nur durch solches grausamstes und heiligstes Opfer konnte unser Versagen weggebüßt werden."
Eva redet strahlend weiter in ergebener Dankbarkeit:
"Ich wußte, wie der allmächtige und erbarmende Gott verheißen hat, die neue Mutter des Lebens werde kommen und alles soll heil werden, durch dich, du allerseligste Jungfrau und Mutter."
Eva senkt dann traurig ihr Haupt:
"Aber wir sehen, wie die ganze Menschheit auf der Welt, unsere Kinder und Kindeskinder, weit von Gott abgeirrt sind. Trotz der heiligsten Erlösung, trotz des offenen Gottesherzen wollen nur wenige zu Gott heimkehren.
Die Lüge, mit der uns Satan betrogen hat, hallt immer noch mächtig über der ganzen Menschheit. Immer noch werden Menschenkinder aus Fleischeslust gezeugt. Gott wollte die Menschen als seine Kinder aus seiner Schöpferliebe erwecken. Aus Gott selbst sollten sie das ewige und unsterbliche Leben haben. Ich sollte die Mutter aller Lebenden sein, indem ich mit Adam ganz in Gottes heiligster Liebe verbunden lebe. Nun bin ich durch Satans Trug die Mutter des Todes geworden."
Wieder neigt sich Eva tief vor Maria:
"Du aber, heiligste und reinste Jungfrau, bist nun die Mutter aller Kinder Gottes geworden. Ich weiß es, das tiefste Geheimnis, ich durfte es schauen:
Du bist die Braut des Heiligen Geistes. Durch den Heiligen Geist bist du die Mutter des Sohnes Gottes geworden. In deinem Sohne bist du die Mutter aller erlösten Menschenkinder. Ein tiefes Geheimnis der Liebe Gottes, das du zuerst selbst nicht begreifen konntest. Aber du hast Gott geglaubt, weil du ihn so sehr liebtest. Du konntest nicht anders in deiner Liebe als Gott ganz vertrauen. Das ist deine Größe und dein Verdienst. Dafür bewundern dich alle Erlösten und alle Heiligen des Himmels, dich, du wunderbare Mutter des Lebens!"
Obwohl Maria Eva zuwinkt, dass sie Gott allein alles verdankt, muss Eva noch eines bekennen:
"Wir haben nie das Wort des allmächtigen und allgütigen Gottes vergessen, das er zum Trost bei der Austreibung aus dem Paradies gesprochen hat:
"Feindschaft will ich setzen dir (Satan) und der Frau. Zwischen deinen Nachkommen und ihren Nachkommen. Du wirst ihrer Ferse nachstellen. Sie aber wird dir den Kopf zertreten."
Ich habe immer Ausschau gehalten nach der Frau, die der teuflischen Schlange den Kopf zertreten wird. Nun bist du gekommen, du siegreiche Jungfrau und Mutter."
Wieder verneigte Eva sich dankbar vor Maria. Maria aber antwortete:
"Ja, ich bin die Frau, die der Schlange den Kopf zertreten wird. Aber das wird ein langer und schwerer Kampf, bis es soweit ist. Denn alle Menschen müssen einzeln geprüft werden und müssen sich durch Opfer der Liebe vor Gott bewähren. Mein Sohn hat es allen gesagt:
Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, der nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden." (Mt 16,24)
Die Menschen müssen erkennen, es geht um das ewige Leben, nicht um das zeitliche. Wenn die Menschen nur an das zeitliche Leben glauben, werden sie hochmütig, werden süchtig nach Hab und Gut dieser Welt und gieren nach Wolllust des Lebens. Das alles erstickt ihr Herz und treibt sie in den Rachen der Hölle.
Wenn ich dir erklären darf, liebe Schwester Eva:
Ich habe allem Hochmut, aller Habsucht und aller Wolllust dieser Welt bis aufs Blut widerstanden, weil ich damit Gott, den Heiligen Geist, der mir mit solcher Liebe vertraut hat, von mir gestoßen hätte. Das war mir unmöglich, weil ich ihn über alles liebte.
Schwester Eva, ich hätte Grund gehabt, mich der Welt in meiner einmaliger Schönheit zu offenbaren. Die Welt hätte mich angebetet. Aber Eva, ich wusste von deinem Hochmut, in dem du dich angebetet hast und damit Gott nicht mehr erkannt hast. Darum habe ich mich erniedrigt und mich ganz Jahwe geweiht. Ich habe ihm gesagt, er soll mit mir tun, was er will. Ich habe Jahwe geliebt mit meiner ganzen Herzenshingabe, so dass mein jungfräuliches Leben ewig nur ihm gehörte.
Mit meinem göttlichen Sohne hatte ich Gelegenheit, auf alle Habsucht dieser Welt zu verzichten. Er sagte: Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber nichts, wohin er sein Haupt legen kann. Darin wurde auch ich ihm gleich.
Wir hatten in Nazareth das eigene Heim. Aber bald musste ich es mit meinem Sohne verlassen. Als mein Bräutigam Josef von dieser Welt heimgerufen war, gehörte mein Leben nur noch Jesus. Ich war eins mit ihm in seinen Jahren, da er die Botschaft vom Himmelreich verkündete. Ich war eins mit ihm zur Vorbereitung auf die große Opferhingabe für die Menschenkinder. Ich kannte wie niemand seine Sendung als das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. Ich war eins mit ihm bis zur äußersten Selbsthingabe. Ich gehörte ihm zur Erlösung der Welt. Ich gehörte nie mir selbst.
Ich erlitt alles mit meinem Sohne. Um die Fleischeslust der Menschen wegzubüßen, ist der Leib meines Sohnes bei der Geißelung grausamst zerfetzt worden. Ich habe alles mitgelitten. Ich war immer eins mit ihm. Ich war eins mit ihm in seinen unsäglichen Qualen am Kreuze. Ich erlitt alles in meinem Herzen bis zur letzten Faser.
Ich darf mich dessen nicht rühmen, denn mein himmlischer Bräutigam, der Heilige Geist, hat mir dafür übermenschliche Liebeskraft verliehen.
Schwester Eva, in der Liebeskraft des Heiligen Geistes durfte ich mit meinem Sohne allen Hochmut, alle Habsucht und alle Wolllust des Lebens für meine Kinder abbüßen. Nun sind alle frei und alle können gerettet werden für das wahre Leben in Gott. Ich bin nun die Mutter des Lebens für alle, welche meinem Sohne und mir glauben und uns folgen."
Leider sind heute zu viele, allzuviele, welche die Erlösung nur im Irdischen verstehen wollen. Das ist wiederum die Verführung und trügerische Lüge Satans, wie er es im Paradies getan hat. Die eigentliche Botschaft und Erlösung Christi und die Mithilfe seiner heiligsten Mutter sind damit weithin fraglich geworden. In Massen haben auch Christenmenschen den Weg zum Verderben eingeschlagen. Sie sind darin so sehr erblindet, dass sie die wahre Botschaft vom Reiche Gottes nicht mehr wahrnehmen.
Weil viele Menschen, auch viele Christen, so sehr in seelische Blindheit geraten sind, erscheint seit den letzten Jahrzehnten die liebe himmlische Mutter an vielen Orten und verkündet ernste Weisungen und Botschaften zur Rettung der Menschenkinder vor dem Verderben.
Welche gute Mutter würde nicht alles versuchen, ihre Kinder zu retten, wenn sie in verderbliche Gefahr geraten. So versucht auch die himmlische Mutter, ihre Kinder zu warnen, und zu retten. Sie liebt doch ihre Kinder so sehr, hat mit ihrem Sohne so viel für sie gelitten und leidet für sie immer noch unsaäglich mit ihrem ganzen mütterlichen und unbefleckten Herzen.
Wer das nicht weiß oder nicht wissen will, der ist in großer Gefahr, dem Verblender und Lügner Satan in die Falle zu gehen. Was Maria sagt in ihren Botschaften, steht nie im Widerspruch zu den Weisungen ihres Sohnes in den Evangelien.
Es sind nun auch freilich viele Botschaften laut geworden, sogar sehr laut, die mit den wahren Botschaften Mariens nicht zu tun haben. Wir dürfen nicht vergessen, Satan ist der verlogene Nachäffer Jesu Christi und auch der Mutter Jesu. Seine Nachäffungen sind oft so verdreht, dass sie kaum von den wahren Botschaften Jesu und Mariens zu unterscheiden sind.
Darum müssen wir heute unbedingt lernen, die Geister zu unterscheiden! Das können wir nur, wenn wir uns im Heiligen Geist ein reines Herz bewahren, das frei ist von Eigensucht und bösen Gelüsten.
Maria drängt uns darum sehr, wir sollen uns ganz ihrem unbefleckten Herzen weihen und diese Weihe leben, dann kann der Lügner uns nicht mehr irreführen. Wer das nicht tut und nicht will, weil er sich selber für so gescheit hält und weil er nicht demütig und klein sein will, wie Jesus es immer fordert, dem ist nicht zu helfen. Ich muss darüber ein Erlebnis erzählen. Ein lieber Kollege, der noch gut gläubig ist, hat es erlebt und hat es mir berichtet:
Er hatte eine längere Pastoraltagung mitgemacht. Dazu waren Priester, Theologen und Theologinnen eingeladen.
Die Tagung lief gut an. Es wurde ein froher und verbindlicher Gemeinschaftsgeist gepflegt. Frei, ohne strenge Weisung, konnte jeder seine Meinung oder Erfahrung vortragen.
Über die Person Jesu Christi gab es bald Meinungsverschiedenheiten. Der Leiter betonte, dazu seien sie beisammen, um offen auch über Jesus zu reden. Er sagte, wir können nie absolut sicher behaupten, dass Jesus Gott sei. Sein Tod widerspreche dieser Annahme. Denn Gott könne nicht sterben.
Es gab dann ernste Bedenken, wenn Jesus nicht Gott sei, brauchen wir ihn nicht anbeten. Dann müsse auch beim Gottesdienst manches geändert werden.
Darauf wurde doch sehr betont: Die Person Christi darf nicht geschmälert werden. Wenn Jesus auch nicht wesentlich der Sohn Gottes sei, so ist er doch ganz und gar von Gott als Sohn angenommen worden.
Es wurde dann der Einwand laut, ob das nicht die Irrlehre des Arius sei, wenn wir an der sicheren Gottheit Jesu zweifeln. Der Leiter hat diesen Einwand entschieden zurückgewiesen. Aber der Zweifel über die Gottheit Christi wurde nicht überwunden.
Mein Kollege sagte mir:
"Weil ich als streng konservativ galt, hätte man mich nicht ernst genommen, wenn ich gesagt hätte, wer an der Gottheit Jesu zweifelt, ist nicht mehr katholisch, nicht einmal mehr Christ. Man hätte mir den Vorwurf gemacht, ich sei unkollegial und störe die freie Aussprache. Es war klüger, zu schweigen."
Es gab jeden Tag neue Probleme. Widersprüchlich waren die Meinungen über den Papst und über die Einheit der Kirche. Die anderen christlichen Gemeinschaften, wie Protestantismus und überhaupt Luther, dürfe man nicht als Irrlehre betrachten, wir müssen in brüderlicher Liebe mit ihnen zusammenarbeiten.
Über Marienverehrung gab es heftige Auseinandersetzungen. Es hieß fast allgemein:
Maria könne unmöglich als Jungfrau bezeichnet werden. Ist sie Mutter, dann kann sie nicht Jungfrau sein. Ist sie Jungfrau, dann kann sie nicht Mutter sein. Eine Theologin betonte das sehr aufdringlich. Ein Kollege wagte den Einwand: Gott könne doch in seiner Allmacht eine Ausnahme gemacht haben. Aber nein, hieß es, solche Ausnahmen mache Gott nicht. Damit wäre er widernatürlich. So lautete das Ergebnis: Maria kann nicht als Jungfrau bezeichnet werden.
Es kam auch der alte Einwand: Maria hatte wahrscheinlich mehrere Kinder. Es sei Zeit, sagte wieder die Theologin, dass das einmal offen in der Verkündigung geklärt wird.
Ein Kollege versuchte zu erklären: Die sogenannten Brüder Jesu, Jakobus und Judas, waren Verwandte, waren Söhne des Bruders Josef. Die Antwort war fast allgemein: Das sei nicht sicher. Wahrscheinlich habe man durch eine spätere Behauptung oder Einfügung damit aussagen wollen, dass eben Maria nur Jesus jungfräulich empfangen und geboren habe. Das alles aber könne vor einer gesunden Kritik heute nicht mehr aufrecht gehalten werden.
Mein Kollege erklärte mir sehr traurig:
"Ich hatte den Eindruck, Marienverehrung soll in der Kirche möglichst ausgeschaltet werden. Gut, sie sei die Mutter Jesu, das müsse man gelten lassen, aber eine besondere Ehrung und Anrufung, wie sie in der Kirche wuchert, müsse endlich vor der nüchternen Theologie weichen."
Mein Kollege sagte: "Mir wurde es klar, dahinter wütet und dirigiert der Lügner Satan, der vor der Macht Mariens Angst hat."
Ganz unsicher wurden die Erklärungen über die heiligste Eucharistie. Dass in der Hostie Jesus als Gott und Mensch gegenwärtig sei, ist ziemlich ausgeschlossen. Als Gott könne er sich uns doch auf ganz andere Weise schenken, eben geistig, wie er es ja in der Geistsendung tut. Jesus wollte in der Eucharistie uns nur ein sichtbares Erinnerungszeichen setzen.
Der Leiter versuchte mildernd zu erklären: Wir wollen nicht urteilen oder gar jemanden verurteilen, der an die Wirkliche Gegenwart Jesu in der Hostie glaubt. Denn Jesus kann als Gott überall sein. Er kann es auch, wenn da jemand meint, er sei in der Hostie zugegen.
Mein Kollege sagte mir zum Schluss:
"Das Ergebnis, das ich aus der Tagung mitbekommen habe, kann ich zusammenfassen mit den Worten:
Alles ist unsicher in unserem Glauben. Auf alle Fälle, was wir nicht beweisen können, das brauchen wir auch nicht glauben.
Ich habe aus tiefer Sorge jeden Abend in der Hauskapelle den Rosenkranz gebetet. Ich merkte nicht, dass ich nicht allein war. Erst am letzten Abend sah ich, als ich aus der Kapelle ging, zwei Kollegen und auch eine Dame, die ebenfalls den Rosenkranz gebetet hatten. Ein Kollege drückte mir brüderlich den Arm und sagte: "Wir haben auch erkannt, dass wir zur himmlischen Mutter Zuflucht nehmen müssen, damit wir nicht den Glauben verlieren."
Der andere Kollege sagte etwas gedrückt:
"Gerade die Mutter Gottes, die sie ja in der Tagung so abgesetzt haben, ist unsere Rettung."
Die Dame, mittleren Alters, Katechetin im Gymnasium, sprach etwas gedämpft, aber sehr bestimmt:
"Wenn ich das ernst nehmen würde, was uns hier aufgetischt worden ist, stünde ich als Betrügerin vor meinen Schülern.
Ich hatte mich von Anfang als Katechetin Maria geweiht mit der Bitte, dass sie mir als Braut des Heiligen Geistes für die Kinder alle nötigen Gnaden vermittle. Ich hab sie auch gebeten, dass sie mir helfe, das zu leben, was ich lehre. Denn wenn ich die Botschaft Jesu lehre, sie selber aber nicht lebe, wird sie nicht nur unglaubwürdig, sondern auch unfruchtbar.
Man hat von mir verlangt, diese Tagung mitzumachen. Ich wusste, was hier geboten wird. Jetzt weiß ich erst recht, dass wir uns umso mehr der Mutter Gottes weihen müssen, damit wir nicht untergehen. Sie ist die Mutter unseres Lebens, die uns schützen wird gegen allen Unglauben."
Mein Kollege sagte nur noch:
"Was diese treue Katechetin zum Abschluss bekannte, das hat vieles wieder heil gemacht, was die Tagung verdorben hatte."
(Aus: Die Mutter des Lebens, von Pfarrer Hermann Wagner)
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