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Weinstock und Reben
Jesus hat uns verschiedene Gleichnisse erzählt. Das Gleichnis vom Weinstock und den Reben ist eines der Gleichnisse, das jeder versteht und uns tiefgreifend erklärt, wie wenig wir ohne Jesus sind und können.
Jede Rebe wird verdorren,
die nicht fest am Weinstock bleibt.
Alle Säfte, alles Leben
sie nur aus dem Weinstock treibt.
Nur mit Jesus treu verbunden
schenken wir des Lebens Frucht.
Fruchtlos bleibt und nichts kann geben,
wer nur leer sich selber sucht.
Hören wir mit wachen Ohren,
was uns Jesus deutlich sagt:
Der nur hat das wahre Leben,
der mit ihm das Leben wagt.
"Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegschneiden. Und jede Rebe, die Frucht bringt, wird er reinigen, damit sie noch mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein wegen der Lehre, die ich euch vorgetragen habe. So bleibt ihr in mir und ich bleibe in euch."
"Wie die Rebe aus sich selber keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. Getrennt von mir, könnt ihr nichts. Wenn jemand nicht in mir bleibt, der wird wie eine Rebe weggeworfen und verdorrt. Man hebt sie auf und wirft sie ins Feuer und sie verbrennt."
"Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so möget ihr bitten, um was ihr wollt, es wird euch zuteil werden. Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viele Frucht bringet und ihr euch als meine Jünger erweist." (Joh 15,1ff)
Wir müssen bedenken, dieses Gleichnis vom Weinstock gehört zu den lebenswichtigen Trostreden, die Jesus seinen Jüngern noch kurz vor seinem grausamen Opfertod gegeben hat. Die Jünger sollen nicht nur verstehen, sondern auch ganz danach handeln, mit Jesus in innigster Lebensgemeinschaft zu bleiben. Ohne ernste Lebensgemeinschaft mit Jesus würde ihr Leben und Wirken fruchtlos und würde bald von dem verschlungen, der alles Leben der Kinder dieser Welt in seinem ewigen Tod erwürgt, der von Jesus bezeichnet wird als der "Lügner und Mörder von Anbeginn".
Wer nicht mit dem lebendigen Weinstock Jesu liebend verbunden bleibt, kann keine Frucht des wahren und ewigen Lebens bringen. Für den gilt das Wort, das Jesus sagt: Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird der Vater wegschneiden. Wenn jemand nicht in mir bleibt, der wird (wie eine fruchtlose Rebe) weggeworfen und verdorrt. Man hebt sie auf und wirft sie ins Feuer und sie verbrennt.
Ohne Jesus alles ist vergebens,
alles wird nur Schein und Trug des Lebens.
Wir müssen uns wieder erinnern: Jesus ist als der Sohn Gottes Mensch geworden, um als Menschensohn uns von Gott das wahre Leben zu bringen. Hören wir doch sein Wort: "Ich bin dazu gekommen, damit die Menschen das Leben haben, und es in Fülle haben." (Joh 10,10)
Jesus gibt sich uns sogar zur Speise, damit wir in ihm das wahre und unsterbliche Leben haben.
Aber die ganze Lebensspende durch den Gottmenschen Jesus geschieht nur in freierster Liebe, weil Gott unendlich freie Liebe ist und sein Leben nur in freier Liebe empfangen werden kann. Es wird dazu niemand gezwungen. Gott will keine Knechte. Er will nur Kinder, die einst mit ihm in freier Liebe ewig jubeln.
So muss Jesus darum seinen Jüngern den harten Auftrag geben: "Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker! Wer glaubt und sich taufen lässt, der wird selig werden. Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden." (Mark 16,15)
Wir sollen auch verstehen, was uns da Jesus sagt: "Jede Rebe, die Frucht bringt, wird er reinigen, damit sie noch mehr Frucht bringe."
Wir wissen, wie der Weingärtner seine Weinstöcke reinigt, die nutzlosen Triebe abschneidet. So muss der liebe Gott manche nutzlosen Triebe von uns abschneiden, damit unser Dasein auf Erden fruchtbar werde für das wahre Leben. Wir sollen aus der Lebensfülle Jesu immer mehr in seine Reinheit und Schönheit und in seine Liebe hineinreifen, damit unser Leben aus Jesus fruchtbar werde für alle, denen wir Wegweiser sein dürfen in den Himmel. Worte und Mahnungen nützen wenig. Beispiele jedoch wecken auf und ziehen mit.
In besonderer Weise wird der liebe Gott bei Priestern und auch bei apostolischen Laien, die er heute oft beruft, nutzlose Triebe abschneiden. Da muss die Selbstliebe möglichst eingeschränkt werden, damit die Erlöserliebe Jesu sich mehr entfalten kann. Bedenken wir, was der grosse Völkerapostel über sich berichten muss, was er erleiden musste, um für die Erlöserliebe Jesu frei und fruchtbar zu sein zum Zeugnis für viele:
"In Mühseligkeiten ohne Zahl, in Gefangenschaften überreich, in Schlägen über die Maßen, oftmals in Todesleiden." (2. Kor 11,23)
Zum Troste jedoch erklärt Paulus uns auch:
"Ich halte dafür, dass die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar wird." (Röm 8,18)
Jeder apostolische Christ und besonders jeder Priester, der segensreich wirken soll, erleidet ein Opferleben. Wenn darum Jesus Opfer und Verzicht von uns fordert, sollen wir nicht verzagen, sondern wir sollen wissen, Jesus liebt uns, wenn er uns an seinem Erlöserkreuz teilhaben lässt. Wie sollen wir auch unsere Liebe zu Jesus besser bezeugen als dadurch, dass wir mit ihm den Kreuzweg gehen.
Jesus hat bis hin zum Kreuze
seine Liebe uns bewiesen.
Vor dem Vater im Gehorsam
hat er Gottes Ehr´ gepriesen.
Jedes Herz, das Liebe schenket,
muss dafür auch Zeugnis geben.
Wertlos würde unser Glaube,
wäre ohne Kreuz das Leben.
"Wie die Rebe aus sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt viele Frucht. Denn getrennt von mir könnt ihr nichts."
Damit hat uns Jesus alles gesagt, wie innig wir mit ihm verbunden bleiben müssen, um fruchtbar für das Reich Gottes wirken zu können. "Getrennt von mir, könnt ihr nichts."
Alle Möglichkeiten, in den Himmel zu kommen und auch andere in den Himmel zu führen, können wir nur erhoffen durch unsere liebende und opfernde Liebesverbindung mit Jesus. Wer sich von der Opferliebe Jesu trennt, der läuft ins Leere. Alles Menschenwerk ist vergänglich und zerfällt, wenn es nicht aus der Erlöserliebe Jesu genährt, ewiges Leben befruchtet.
Auch alle soziale Wirkung unter den Menschen bleibt vergängliches Menschenwerk, wenn es nicht befruchtet ist von der Allmacht der Liebe Jesu. Auch hier gilt das Wort Jesu:
"Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel." (Mt 10,33)
Wie ohne die Erlöserliebe Jesu, ohne den Weinstock Christi, die Rebe keine Frucht bringen kann und unser apostolisches Leben für das Himmelreich fruchtlos bleibt, darüber fällt mir ein Erlebnis eines frommen Indianer-Missionars ein:
Ich war damals noch Bäckergeselle und war aktiv in einem katholischen Burschenverein tätig. Da kehrte ein älterer Franziskanerpater im Pfarrhof ein. Er hatte lange Jahre bei den Indianern in Südamerika gewirkt. Er war gerne bereit, zu uns Burschen der Führungsrunde aus seinen besonderen Erlebnissen zu erzählen. Er wollte darüber nur im engeren Kreis sprechen, weil viele das doch nicht verstehen würden, meinte er.
Wir waren fünf Burschen, die, wie der Herr Kaplan uns vorstellte, fromm genug seien, einen Missionar in seiner tieferen priesterlichen Liebe verstehen zu können.
Da war ein Indianerstamm im tiefsten Urwald des Gran Chaco. Die "Gorros" hiess der Stamm. Noch keinem Forscher war es gelungen, dorthin zu gelangen. Wer es gewagt hatte, in ihr Gebiet einzudringen, der kam nicht mehr zurück. Ähnlich ist es allen Missionaren ergangen. Auch als sie unter bewaffnetem Schutz versuchten, in ihr Gebiet vorzudringen, war die Expedition elend umgekommen. Nur wenige Männer kehrten zurück und mussten berichten, es sei unmöglich, zu dem Stamm der Gorros zu gelengen.
Einige Jahre war Schweigen über die Gorros. Dann aber hatte ein mutiger Franziskaneroberer gewagt, seinen jungen Patres, die für die Indianermission ausgebildet wurden, es ganz freiwillig anheimzustellen, wenn einer von ihnen den Mut habe, zu den Gorros zu gehen, will er ihn dorthin senden. Aber das sei nur möglich unter schweren Bedingungen:
Ganz ohne Begleitung und ohne Waffen müsse er gehen. Nur ein Messer und ein Angelgerät könne er mitnehmen, um Fische zu fangen. Denn Fische gebe es genug in den vielen Wassern des Gran Chaco.
Die Indianer dort werden ihn bald bemerken und genau beobachten. Wenn er friedlich komme, werden sie nicht feindselig sein, so hoffe er. Er sagte aber auch:
"Der einzige Schutz und alle Sicherheit für dein Leben ist der Himmel. Wenn Jesus es will, dass du zu diesem Indianerstamm die Frohbotschaft vom Reiche Gottes bringst, dann wirst du auch unter seinem Schutz dort wirken können. Du musst aber damit rechnen, dass Jesus ein besonderes Opfer von dir fordert. Wie Jesus uns am Kreuze erlöst hat, verlangt er auch von seinen Aposteln, dass sie mit ihm das Kreuz tragen."
Natürlich sollte der Missionar auch gut verpackt in kleiner Form die nötigsten liturgischen Geräte zur hl. Messe und sakramentenspendung mitnehmen.
So haben sich unter 21 jungen Missionaren drei für dieses Wagnis gemeldet. Es wurde von den Dreien nur der gesündeste gesendet. Es war Pater Hubert. Er musste sich noch ein Jahr lang in dem vermeintlichen Dialekt der Gorros üben, bis er endlich seine gefährlichste Reise antreten konnte. Er ging ganz allein und nur zu Fuss. Er hatte eine Kartenskizze mit, an der er sich orientieren sollte.
Der Pater Provinzial gab ihm noch den besonderen Reisesegen. Er sagte ihm: "Jesus allein ist von dieser Stunde an dein sicherer Begleiter. Das darf dich nicht ängstigen. Du weisst, wie allmächtig er dich beschützen kann und wird. Du weisst aber auch, ohne ihn kannst du nichts. Er ist der Weinstock, sei du ihm eine fruchtbare Rebe!"
Vier Wochen war P. Hubert unterwegs, nun schon tief im Urwald des Gran Chaco. Er konnte denken, dass er bereits das Gebiet der Gorros erreicht habe. Bald merkte er anschaulich, dass es so sei. Es schwirrten Pfeile direkt vor seinen Zehen, hinter seinen Versen und links und rechts zu seinen Füssen nieder. Die steckten so fest im Boden, dass er wusste, die hätten ihm durchbohrt, wenn sie direkt auf ihn gezielt hätten.
Nach einigen Tagen stellte er seine Reise ein, weil er wusste, er sei nun bei den gefürchteten Gorros. Jetzt kann er nichts mehr tun als warten auf die Gnade des Himmels. Wenn Jesus es will, dann wird er als Missionar den Gorros die Frohbotschaft der Erlösung bringen. Wenn nicht, dann wird er als Martyrer hier sein Leben opfern. Zurück kann er nicht mehr, er ist bereits Gefangener der Gorros.
Er hatte sich im dichten Urwald vor einem Wasser, das von Fischen wimmelte, aus Stäben und grossen Palmblättern eine Hütte errichtet. Sie war gross genug, um darin die hl. Messe feiern zu können. Das tat er nicht nur still, er sang laut die liturgischen Texte, die er auswendig gelernt hatte. Aus dem Wasser holte er sich die Fische, die gebraten eine gute Mahlzeit gaben. Einige Früchte, ähnlich den Bananen, sorgten für Abwechslung. Wenn er beim Morgengrauen die Hütte verlassen wollte, surrten als Morgengruss meist Pfeile zu seinen Füssen nieder. Er selbst wurde nie verletzt.
Dieser Zustand blieb einige Wochen so, ohne dass es eine Änderung gab oder ein Mensch sichtbar wurde.
Da kam unerwartet zu seinem Schrecken eine schwere Krankheit über ihn. Wahrscheinlich durch einen Insektenstich verursacht. Er bekam grausame Bauchschmerzen, musste ständig erbrechen, bis nur noch Blut kam. Schliesslich lag er wie ohnmächtig in seiner Hütte und konnte sich nur noch dem Himmel empfehlen. Er war bereit zum letzten Opfer, wenn es Gottes hl. Wille ist.
Es war ihm fast ständig das Bewusstsein geschwunden. Wenn er etwas zu sich kam, merkte er, eine alte Indianerin und ein Knabe waren bei ihm. Die Frau redete Worte, die er kaum verstand. Sie flösste ihm eine gekochte Brühe ein, die er nicht mehr erbrechen musste. Seinen Körper hat sie ihm entkleidet und ihn mit einer öligen Flüssigkeit eingerieben und dann mit würzigen Kräutern umhüllt. Das tat sie ganz energisch. Er durfte sich nicht dagegen wehren und konnte es auch nicht.
Nach einiger Zeit entschwand aus ihm die Überkeit, er konnte wieder essen und trinken. Das reichte ihm alles die alte Frau. Etwas anderes durfte er nicht zu sich nehmen. Die Frau war streng mit ihm. Sie drohte mit dem Finger, wenn er nicht folgte. Verstehen konnte er nur wenig von dem, was sie sagte.
Als sich P. Hubert soweit erholt hatte, feierte er die hl. Messe. Die Frau und der Knabe schauten ihm dabei zu ohne zu stören. Dann aber setzte die Frau wieder energisch ihre Heilbehandlung fort. P. Hubert musste sich fügen. Er spürte, er wurde ganz gesund und kräftig. Sie liess ihn gewähren, wenn er fischte oder Früchte pflückte. Sonderbarerweise kamen keine Pfeile mehr gezischt, seit die Frau bei ihm war.
Dass er trotzdem streng bewacht wurde, versuchte ihm die Frau zu erklären. Da gab es leider Schwierigkeiten mit der Sprache. Der Dialekt, den er gelernt hatte, reichte bei weitem nicht hin zur guten Verständigung. Da begannen die Frau und der Knabe unter viel Zeichen und lautem Lachen, ihm die Worte ihrer Sprache beizubringen. Das ging besser als er meinte. Nach einigen Monaten glaubte er, er könne nun zu ihrem Volke und auch mit dem Häuptling reden. Da wehrte die Frau ab: "Das darfst du nicht! Den muss ich zuerst fragen, ob er dich hören will. Und da musst du unsere Sprache richtig sprechen, sonst sagt er gleich, du gehörst nicht zu uns. Fremde wird er töten.
Erst nach weiteren Monaten war es so weit, dass er die Sprache der Gorros richtig beherrschte.Aber er durfte da nicht einfach hingehen zum Häuptling. Der musste ihn erst einladen.
Nachdem die alte Frau mit dem Häuptling gesprochen hatte, wurde er eines Morgens von zwei schwerbewaffneten Kriegern abgeholt. Sie nahmen ihn in ihre Mitte wie einen Gefangenen.
Nach einer längeren mit versteckten Pfaden verzweigten Wanderung kamen sie auf einen grossen Platz, auf dem viele Hütten und Zelte standen. Viele Indianer, Männer und Frauen und auch Kinder in einfachen gewebten Lenden-Kleidern, standen umher und schauten zu dem fremden Mann.
P. Hubert musste lange warten, bis endlich aus einer grossen und geschmückten Palmenhütte der Häuptling mit mehreren Kriegern erschien.
Der Häuptling winkte, der Pater soll sich ihm nähern. P. Hubert verneigte sich tief und begrüsste den gefürchteten Mann mit ehrenden Worten. Der Häuptling schaute ihn eine Weile durchdringend an. P. Hubert fürchtete, dieser Blick sprühte nur Hass und Misstrauen. Im Stillen empfahl sich P. Hubert ganz den heiligen Engeln, dass sie vom Häuptling die bösen Geister, die ihn sicher umgaben, verjagen wollen. Nach einiger Zeit wurde der Blick des Häuptlings ruhiger und er fragte den Pater: "Wozu bist du gekommen? Was willst du von uns? Es werden hier keine fremden Eindringlinge geduldet!"
Da antwortete der Pater mit einer würdevollen Kühnheit, wie es ihm sicher die hl. Engeln eingegeben haben: "Ich bin kein fremder Eindringling. Ich bin der Bote des höchsten Geistes, der über allen Völkern herrscht. Der sendet mich, dir, grosser Häuptling eine hohe Botschaft zu bringen. Denn der höchste Geist hat Grosses mit dir und mit deinem Volke vor. Dazu brauche ich lange Zeit, um dir und deinem Volk das alles zu sagen. Darum musst du mir, mächtiger Häuptling, die Zeit dafür geben. Wenn du mich nicht anhören willst und du mich nicht hören willst, was der grosse Geist dir sagen will, ist die Gefahr, dass er sich von dir und deinem Volk abwendet. Es könnte dann viel Unheil über dich und dein Volk kommen."
P. Hubert erklärte uns Burschen darüber: "Ich hatte mit dieser Rede viel gewagt. Aber das musste gewagt werden. Ich durfte als Bote Gottes nicht wie ein Bettler vor dem Häuptling stehen, sondern als einer, der fordern muss. Es war nur gut und war eine wunderbare Fügung Gottes, dass ich durch meine Krnakheit und Pflege die Gelegenheit hatte, die Sprache der Gorros richtig zu lernen. Denn wenn ich im Auftrag des grossen Geistes komme, musste ich auch ihre Sprache beherrschen. Sonst wäre der Häuptling misstrauisch geworden."
Der Häuptling wurde nach meiner Rede ganz still. Er schaute lange vor sich hin, bis er sein Haupt erhob. Dann schaute er mich wieder sehr prüfend an, bis er endlich meinte:
"Hast du einen Beweis dafür, dass dich der grosse Geist gesandt hat?"
Ich sagte: "Ja, den habe ich!" Ich zeigt ihm das Büchlein des Neuen Testamentes. Ich blätterte vor seinen Augen die Seiten durch mit den Worten: "Das alles ist der Ausweis vom grossen Geist. Das alles muss ich dir und deinem Volke vom grossen Geist vortragen und erklären. Dafür brauche ich lange Zeit. Darum muss ich lange deine Gast sein. Wenn ihr das alles gehört habt, was euch der grosse Geist sagen lässt, dann werdet ihr sehr glücklich sein."
Wieder brauchte der Häuptling Zeit, bis er antwortete, er müsse erst mit seinen Kriegern beraten, ob ich bei ihnen willkommen sei. Ich aber wagte das freche Wort: "Als Gesandter des grossen Geistes darf ich nicht wie ein Gefangener behandelt werden. Ich fordere darum volle Freiheit und eine eigene Hütte. Sonst könnte der grosse Geist darüber zürnen, wenn ihr seinen Gesandten wie einen Gefangenen behandelt."
Wieder schaute mich der Häuptling überrascht an. Darauf winkte er einige Krieger zu sich, sie sollen mir eine Hütte frei machen!
Die Hütte war sogar geräumig. Waffen und Speere und Pfeile, die darin lagen, wurden entfernt. Dann kamen Frauen und streuten dürre Palmblätter auf den Boden. Die alte Frau, die mich gesund gepflegt hatte, kam auch wieder mit ihrem Enkel. Sie brachte mir einen kleinen Steintopf, in dem ein Stück Wildbret gekocht war. Daneben legte sie einige gebratene Maiskolben. Beides, das Wild wie die Kolben waren gut gewürzt. Einen Topf weisse Flüssigkeit stellte sie daneben. Das war die berühmte Tschitscha, ein allgemeines und sehr beliebtes Getränk bei den Indianern. Es war ein gegorenes Maisgetränk, ähnlich bereitet wie Bayerisches Bier. Ich wusste leider, wie die Tschitscha hergestellt wird.
Da sitzen auf dem Dorfplatz um einen grossen Steintopf alte Frauen, die meist keine Zähne mehr haben und sonst nicht mehr viel leisten können. Sie nehmen immer wieder eine Handvoll gekochten Mais in den Mund und kauen mit ihren zahnlosen Kiefern solange daran herum, bis er weich ist. Den Brei spucken sie dann in den grossen Topf in der Mitte, der halb mit Wasser gefüllt ist. Darin gärt das Zeug und kann in wenigen Tagen als schäumendes Getränk abgeschöpft werden. Es schmeckt trotz allem nicht übel. Es wäre eine Beleidigung, dieses beliebte Getränk abzulehnen.
Vom Häuptling wurde mir die Botschaft mitgeteilt, ich könne bleiben, solange ich wolle. Ich sei Gast und werde als Gast behandelt, nicht als Feind.
Er liess mir weiter sagen: Seine Krieger müssen gegen einen Feind ausrücken, der in ihr Gebiet eingedrungen ist. Wie ich erfahren konnte, waren es Weisse. Vielleicht waren es sogar Forscher, die über mein Befinden auskundschaften wollten. Die müssen vernichtet werden, hiess es. Für Fremde Eindringlinge gab es kein Pardon. Der grosse Geist solle nun beweisen, dass er es gut mit ihnen meine, indem er sie gegen die Feinde siegen liess.
Ich habe mir später oft Gedanken darüber gemacht, welches Unrecht es von den Weissen sei, dass sie die Heimstätten der Roten überfallen und oft sogar ausrotten. Das ist Völkermord. Ich durfte erfahren, die Indianer werden als Christen friedvolle Menschen, die niemandem Böses wollen. Aber ihre Heimat, ihre Frauen und Kinder müssen sie schützen und verteidigen."
Es waren einige Abende, in denen der Pater uns erzählte. Der Herr Kaplan und meist auch der Herr Pfarrer waren unter den Zuhörern. Der Pater übte auf uns alle in seiner demütigen und einfachen Art einen überwältigenden Eindruck. Ich hatte mein ganzes Leben seine Worte nicht vergessen. Ich wollte daher später auch Indianermissionar werden. Aber Hitler hat damals den Krieg angefangen, sodass ich nicht mehr fort konnte.
P. Hubert erzählte:
"Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mit der Missionierung meiner Indianer beginnen konnte. Die Indianer haben Zeit, haben immer Zeit. Das musste ich auch wieder bei ihnen lernen: Zeit haben, warten können.
Ich konnte inzwischen in meiner Hütte jeden Morgen die hl. Messe feiern. Ich tat das immer mit lautem liturgischem Gesang. Viele Männer und Frauen standen in der Hütte und um der Hütte und hörten zu, ohne jeweils zu stören."
Eines Tages schickte mir der Häuptling die Weisung: Ich soll nun mit der Botschaft, die der grosse Geist ihnen mitteilen will, beginnen. Damit begann offiziell meine Verkündigung über das Reich Gottes. Ich fiel wirklich zuerst auf die Knie nieder und dankte Jesus, dass er mir die Türe dafür geöffnet hat.
Dann setzte ich mich auf einen aus Bambusstäben geformten Hocker und wartete vor der Hütte, bis alle kamen. Sie kamen in grosser Schar. Auch der Häuptling erschien inmitten seiner verdienten Krieger. Ich stand auf und begrüsste ihn mit tiefer Verneigung. Dann begann ich mit lauter Stimme, damit mich alle hören konnten. Was ich verkündete, ist für euch nichts Neues. Ich verkündete die Frohbotschaft vom Reiche Gottes, wie sie in den Evangelien geschrieben steht. Bevor ich begann, sagte ich ihnen, ich müsse nun zuerst mit dem grossen Geist reden. Ich erhob meine Augen und Hände zum Himmel und betete laut das Vater unser in ihrer Sprache. Das machte einen besonderen Eindruck auf alle.
Ich erzählte dann, wie Gott die Menschenkinder erschaffen hatte. Wie gut Gott es mit ihnen gemeint hatte. Wie aber dann der böse Geist sie verführt hatte und sie von Gott abgefallen waren. Wie dann so viel Unheil und der Tod in die Welt kam.
Als ich ihnen erzählte, wie der grosse Geist den Menschen sogar seinen eigenen Sohn sandte, um sie alle von dem bösen Geist zu befreien und ihnen wieder das Leben zu schenken, da atmeten sie alle froh auf. Ich erklärte, das sei die eigentliche Botschaft, die der grosse Geist ihnen mitteilen will: Sein Sohn will nun zu ihnen kommen und will sie befreien vom bösen Geist und auch vom Tod. Eine frohe Erwartung kam nun über den ganzen Stamm der wilden Gorros. Jeden Tag waren sie fast alle da und hörten aufmerksam zu, was ihnen der grosse Geist sagen will.
Nur verschiedene Krieger mussten weit draussen das Land bewachen, damit kein Feind in ihr Gebiet einschleichen konnte. Auch Frauen mussten Fruchtfelder betreuen, wie Mais, die an verschiedenen Orten angebaut waren. Einige Frauen mussten Fische fangen oder Früchte aus dem Urwald holen für die Mahlzeiten. Wildbret von verschiedenen Tieren, wie auch Affen, brachten die Männer von der Jagd heim.
Zwei bis drei Stunden am Tag waren die anderen Indianer getreu auf dem grossen Hof versammelt, um die Botschaft des grossen Geistes zu hören. Nur am Spätnachmittag kam jedesmal ein schwerer Regenschauer, der im Augenblick alle durchnässte. Da befahl der Häuptling den Männern, eine grosse Hütte zu bauen, damit wir unter dem Dach sein können, wenn der Regen kommt. Die Hütte war in zwei Wochen fertig. Bäume gab es genug, die sie mit ihren Äxten fällten. Sogar einige Sägen hatten sie. Wie ich erfuhr, waren es Beutestücke von Weissen, die zu nahe in ihr Gebiet gekommen waren und darum von den Kriegern mit Pfeilen durchbohrt wurden. Wie man die Sägen handhaben konnte, musste ich ihnen erst richtig zeigen.
Es war ein Erlebnis wie in einem Zirkus, mit welcher Gewandtheit die Männer auf dem Aufriss der grossen Hütte herumkletterten, die gefällten Baumstämme mit Schlingpflanzen fest verbanden, und das Dach mit Palmblättern, welche Knaben und Frauen geholt hatten, absolut wasserdicht machten. Der ganze Bau sah aus wie ein riessiges Zelt, in dem einige hundert Menschen leicht Platz hatten. Freilich hatten nicht alle Einwohner darin genug Raum. Es genügte, wenn vorläufig die Frauen und Kinder trocken sein konnten. Den Männern machte der Schauer nichts aus. Die schüttelten sich und lachten, wenn der Regen vorbei war. Ich hatte mich auch an den täglichen Regen gewöhnt. Die Wärme trocknete die Nässe schnell weg.
Meine Unterweisung der Heilsbotschaft Christi ging bald wieder ungestört weiter. Leider hatte ich keine sichere Zeitrechnung mehr. Ich wusste nicht richtig, wann Weihnachten, Ostern oder Pfingsten war. Denn dort ist das Klima fast das ganze Jahr gleich. So konnte ich nur ungefähr die heiligen Zeiten angeben und einführen. Das war nicht so schlimm. Nur drängten meine guten Indianer bald von selber darauf, getauft zu werden und wahre Kinder Gottes, Söhne und Töchter des grossen Geistes zu sein. Der ganze Stamm der Gorros wollte getauft werden. Der Häuptling kam als erster. Bevor nicht er die Taufe empfing, liess keiner sich taufen. Dann aber wurden bald alle getauft. Und alle konnten beichten und feierten die hl. Messe in der grossen Hütte fast jeden Tag mit. Den Sonntag konnte ich leider nicht genau feststellen.
Nun konnte ich endlich, es war im dritten Jahr, den tapferen Häuptling überzeugen, dass wir ein richtiges Gotteshaus brauchen. Dazu müsste ich hinaus zu den Weissen gehen, damit ich die notwendigen Sachen für eine Kirche bekomme, wie Glocken, Harmonium, einige Heiligenbilder und Geräte zum Altar. Es war nicht leicht, den Häuptling dafür zu überzeugen. Er traute den weissen Männern nicht. Ich aber brauchte auch einige junge Männer, Krieger, die mit mir die Reise zu den Weissen machen und mir helfen, die Sachen zu transportieren. Schliesslich gab der Häuptling dafür die Einwilligung. Aber wehe, sagte er, wenn seinen Kriegern von den Stämmen der Weissen etwas passierte. Dann würden sie die Taufe wieder abwaschen und ich dürfte nie mehr zu ihnen kommen.
Endlich konnte ich mich mit fünf jungen "Kriegern" auf die Reise machen. Es war schwierig, ihnen zu erklären, dass sie nicht mit schweren Waffen, wie Pfeil und Speer, zu den Weissen gehen dürfen. Sonst würden sie als Feinde behandelt. Die Reise auf guten Booten durch die Flussläufe war nicht allzu schwer. Schon nach zwei Wochen trafen wir auf eine Siedlung der Weissen. Von dort ging es bald auf einem Schiff in eine grössere Ortschaft. Ich konnte meinem Ordensoberen eine Botschaft zusenden und ihn bitten, er möge zu mir kommen. Selber durfte ich nicht von den jungen Indianern weg. Die "bösen Weissen" hätten die Indianer als "Wild" betrachtet, mit denen man tun könne, was man wolle. Es war schwer genug, sie unter meinen Schutz sicher zu schützen.
Mein Ordensoberer kam per Bahn mit einigen Patres zu mir. Sie und ich auch weinten Tränen der Freude, als wir uns sahen und umarmten. Ich musste ihnen genau alles erzählen, wie es mir ergangen war. Am liebsten wären sie alle mit mir zu den Indianern mitgekommen. Aber das ging nicht. Schliesslich einigten wir uns, dass ein junger Pater mitreisen dürfe und wenn es der Häuptling erlaube, mit mir bei den Gorros bleibe.
Als ich meine Wünsche vortrug, was ich alles brauche, um eine richtige Kirche zu bauen, war der Pater Provinzial zuerst erschrocken. Dann aber sah er es ein und sagte: Dafür brauche ich mehrere Wochen, bis er alles besorgen könne. Wir sollten hier solange warten. Es war eine kleine Stadt, in der wir in einer Art Hotel untergebracht waren. Wir zahlten mit Goldkörner, die uns der Häuptling mitgegeben hatte. Der Häuptling wusste, wie unter den Weissen das Gold geschätzt wurde. Er hatte auch Diamanten gesammelt. Die gab er nicht aus der Hand. Er hatte durch andere Indianerstämme, mit denen er befreundet war, erfahren, wie wertvoll solche "Steine" waren.
Der Häuptling war überhaupt ein Diplomat und tüchtiger Regent. Fast mit allen Indianerstämmen ringsum lebte er im Frieden und wurde von allen geschätzt wegen der Tapferkeit seiner Krieger. Die gafährlichen Feinde waren für sie die Weissen, die "Blassgesichter", die nur morden konnten. Ich habe immer mehr Respekt bekommen vor unserem Häuptling, als ich das alles erfuhr. Wenn er die Macht bekommen hätte, alle Indianervölker zu einigen und dazu die modernen Waffen der Weissen, er hätte ein Indianerreich aufrichten können, das endlich die Weissen respektiert hätten. Aber so waren es nur die "Wilden", die man ungestraft ausrotten durfte.
Nach Wochen kamen endlich die ersten Sendungen zur Einrichtung der Kirche. Der P. Provinzial selber erschien wieder mit einigen Patres, die mich auch sehen wollten. Die vielen schweren Sachen durch den Urwald zu transportieren, schien mir unmöglich. Meine "Krieger" jedoch sagten, das bewältigten sie alles. Mit Booten auf den Wasserläufen und dann mit Tragstangen werden sie das in ihr Land und in ihre Heimat bringen. So geschah es auch, ich konnte nur staunen über die Tüchtigkeit meiner Leute.
Es war eine lange Zeit vergangen, bis wir wieder die Rückreise antreten konnten. Es wurde durch die Tüchtigkeit meiner "Krieger" in wenigen Wochen alles durch den tiefen Urwald zu meinen lieben Indianern gebracht. Der Häuptling und alle Krieger umarmten mich, sodass sie mich beinahe erdrückten. Die Kirche war in drei Monaten fertig und konnte sich sehen lassen.
Eine Schwierigkeit gab es, eigentlich zum Lachen. Wir hatten für die Orgel, für das umgebaute grosse Harmonium und auch für den künftigen Kirchenchor eine feste Empore gebaut, zu der eine Treppe hinaufführte. Aber die guten Leute, Männer und Frauen und sogar die Kinder, kletterten an den Säulen empor. Das ging schneller und einfacher."
P. Hubert endete am letzten Abend fast mit Tränen in den Augen: "Die guten Indianer dort sind wirkliche Christen geworden. Ich glaube, europäische Christen müssen sich vor ihnen schämen. Meine Indianer lieben Jesus und tun alles, was Jesus von ihnen will. Es gibt dort reine Jugend und reine Ehen. Nur eine Gefahr droht ihnen, dass die Weissen eines Tages doch in ihr Gebiet eindringen und die Unsitten des weissen Mannes ihren reinen Glauben zerstören. Ich werde in wenigen Wochen wieder zu meinen lieben Kindern im Urwald zurückkehren. Ich werde dort bleiben und werde über sie wachen, solange ich lebe."
P. Hubert hatte nur darum solche Erfolge bei den urwüchsigen Indianern, weil er nur Rebe am Weinstock Christi sein wollte, alles durch die Gnade erhoffte und weil er das Erlöserleben Jesu wirklich weiterlebte. Jesus hat ja zu dem Gleichnis vom Weinstock verheissen: "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, möget ihr bitten, um was ihr wollte, es wird euch zuteil werden."
Wir dürfen nicht der stolzen Einbildung verfallen, wir selber können alles. Wir können im Reiche Gottes gar nichts erreichen ohne die Gnade Gottes, wie die Rebe aus sich selber keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt. Das gilt vor allem für die Priester, gilt auch für alle apostolischen Laien und gilt für alle, die ein wirklich christliches Leben führen wollen. Auch die Frömmigkeit des Christen darf nicht in Selbstdarstellung ausarten, wie es bei "Betschwestern" geschieht. Unsere Frömmigkeit muss sich in Demut in das Opfer und Leben Jesu versenken. Wer da Sprüche macht, wie er andere zurechtweist und nur er selber alles recht macht, der ist kein wohlgefälliger Jünger Christi. Jesus braucht kleine Seelen, die nicht zu sehr an sich selber denken, die nicht über andere kritisieren, sondern verborgen in Jesus und mit Jesus schweigen und opfern können.
Wenn ihr in mir bleibt, wird euch alles zuteil werden, um was ihr bittet, sagt Jesus. In Jesus bleiben, verlangt, teilhaben an seiner Liebe und an seinem Liebesopfer. Dann geht Jesus mit uns hinaus, um durch uns seine Erlösung weiter zu führen.
Immer wieder aufs neue müssen wir heimfinden zu Jesus und seiner Liebe, dann wird unser ganzes Leben aus ihm und für ihn fruchtbar.
Vergessen wir nicht, was uns Jesus weiter sagt bei dem Gleichnis vom Weinstock:
"Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viele Frucht bringet und ihr euch als meine Jünger erweist."
Letztlich geht es um die Verherrlichung Gottes, um die Ehre Gottes, nicht um unsere Ehre oder gar um unser Rechthaben.
Alles, was durch den Liebeswillen Gottes erschaffen ist, sehnt sich zurück zum Herzen Gottes. Wir sind aus Gott und können nur in Gott unsere Erfüllung und Vollendung finden.
Wir dürfen nicht in ein Scheinleben versinken, in dem wir meinen, wir selber sind alles und können alles. Das tut Satan. Bei ihm ist alles Schein und Lüge. Darum zerfällt seine Macht und Herrschaft immer wieder in Ruinen, ins Nichts, wie wir es nach seiner Herrschaft im "Dritten Reich" erleben mussten.
Wir sind Kinder Gottes, wir leben und wirken aus der Gnade Gottes, nie und niemals aus uns selber. Das wäre Selbstbetrug und Selbstverlust, der uns in die ewige Verneinung Gottes, in die Hölle stürzen würde.
Die Liebe Gottes und die Ehre Gottes sind untrennbar eins. Am Kreuze Jesu müssten wir das erkennen. Da sehen wir vergängliches und scheinbar vergebliches Elend. Aber nur durch dieses demutsvolle und qualvolle Hingabe des Menschensohnes konnte die Ehre des Vaters und überhaupt die Ehre Gottes wieder hergestellt werden in reinster Liebe. Immer noch tut das Jesus, der als Erlöser unter uns und mit uns, wesenhaft in seinen Priestern, seine Erlösung opfervoll weiterführt. Das tut Jesus nicht für sich, denn er ist ewig eins mit dem Herzen des Vaters unter den Menschensohn, weil er die Ehre seines Vaters unter den Menschen wieder herstellen muss, damit wir Gottes würdig werden und in Wahrheit Gott Vater nennen dürfen.
So ist das Kreuzesopfer Jesu, das die Priester in seinem Auftrag ständig vergegenwärtigen dürfen, unsere tiefste Heimfindung zu Gott, zur Liebe und auch zur Ehre Gottes.
Nie dürfen wir dabei das Gleichnis vom Weinstock Christi vergessen. Aus der Lebensfülle und Liebesfülle Jesu Christi allein können wir Gott ehren und lieben.
Darum müssen wir auch verstehen, warum sich uns Jesus in der heiligsten Eucharistie mit solcher Sehnsucht zur Speise schenkt. Weil wir ohne ihn nichts sind und nichts können zur Verherrlichung Gottes. Und weil wir ohne ihn auch nicht wohlgefällige Kinder des Vaters sein können.
Gott Vater schaut auf jeden Kommunikanten, wie er seinen Sohn empfängt und in seinem Sohne leben will. Das allein ist entscheidend für unser wahres Christsein für Zeit und Ewigkeit.
Immer nur am Weinstock bleiben,
der uns spendet wahres Leben!
Jesus Christus, der Erlöser,
er allein kann uns das geben.
(von Pfarrer Hermann Wagner)
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