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Inhalt und Ziel der Marianischen Botschaft
Die Tatsache, dass seit etwa 150 Jahren die Begegnungen der allerseligsten Jungfrau Maria an so vielen Orten und unter so verschiedenartigen Umständen sich ereigneten, ist eine Überraschung, wirkt alarmierend und ist auch, theologisch gesehen, etwas ganz Neues. Daher lohnt sich die Mühe, eine Art Übersicht zu gewinnen über die zahlreichen Botschaften, Wünsche und Angebote der himmlischen Erscheinung.
Das Ziel der sorgenden Bemühung im Himmel
1. Die Ereignisse von Lourdes und Fatima überragen wie zwei hohe Gipfel die Reihe der übrigen Erscheinungen der heiligen Mutter Gottes. Sie wurden und werden bis heute in der Öffentlichkeit am meisten beachtet und bergen auch inhaltlich gesammelte Bedeutung und vielförmig auszuwertende Strahlkraft.
Der Komplex Lourdes strahlte auf in der Mitte des Jahrhunderts des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts und des damit verbundenen Geistesstolzes, der die Mysterien des Glaubens, die Existenz der Kirche und den Wert christlicher Lebensberufung mit Zorn oder Mitleid ansah. Gegen diese Geistesverfassung blitzte schon die reine Tatsache des himmlischen Einbruches auf, dann die Serie der Krankenheilungen, die echte Parallelen zu den Wundern des Neuen Testamentes darstellen, und erst recht die lichtreine dogmatische Aussage: "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis." Dem bornierten Geist des kausal-mechanischen Denkens in Philosophie, Moral, Technik und Wirtschaft trat entgegen der Geist der Offenbarung und die Souveränität der Macht Gottes in der sichtbaren Schöpfung.
Der Komplex Fatima ragt lichtvoll empor über die Menschheit der Weltkriege, über die dunklen Abgründe des gewaltsamen Todes von Millionen von Menschen, über die verwüsteten Landstriche mit ihren Ruinen von Dörfern und Städten, die das Feuer der Geschütze und Bomben zerstörte.
Das Sprechen und Wirken der Rosenkranzkönigin ging mit ihren besonderen Waffen gegen die Kriegspolitik an. Die Jungfrau und Mutter lehrte die Furchtbarkeit der Sünde bedenken, sie erinnerte eindrucksvoll an die Wahrheit der ewigen Verdammnis der Seelen. Mächtig brach auf die Bereitschaft zum sühnenden Leiden. Hervor trat die Herrschaft Gottes über die Schöpfung in den Vorgängen, die an der Sonne geschahen. Und deutlich erscheint die Einheit in den Mitteln und Zielen der himmlischen Frau und der kirchlichen Leitung, indem Papst Pius XII., veranlasst durch die Botschaft aus Fatima, die leidende Menschheit dem sündelosen Herzen der schmerzvollen Mutter des Erlösers vorstellt und zu eigen gibt kraft der in Rom feierlich vollzogenen Weihe.
2. Das Erscheinen, Sprechen und Wirken der heiligen Jungfrau ist leicht zu erkennen als ein sorgendes Bemühen um Zustand und Schicksal der Völker, der Menschheit. Jedermann sieht, dass die Tragweite des Geschehens über den Lebensbereich der betroffenen Seher weit hinausreicht. Die Botschaften sind gerichtet an die Öffentlichkeit, an das Volk Gottes, und dort erwarten sie Gehör und Befolgung; denn Maria spricht fast immer im Blick auf Kriege und Kriegsnot, auf eintretende Strafen, die Gott wegen der Sünden zulässt. Sie spricht in Elends- und Notsituationen, wo nur Glaube, Gebet und Ergebung noch einen Lebenssinn geben und vor der Verzweiflung bewahren.
Katharina Labouré und die Seher von La salette hörten Hinweise auf die Revolutionen und Bürgerlriege von 1830 und 1870 in Frankreich. In Fatima sprach die Erscheinung von der Beendigung des ersten Weltkrieges und war um die geistlichen Mittel bemüht, den zweiten Weltkrieg unmöglich zu machen. Das schweigende Wandeln der Jungfrau auf der Kirche bei Kairo ruft laut zum Frieden in der Kriegsgefahr zwischen den Brudervölkern am Suezkanal.
Ebenfalls an den Krieg bedrohten Grenzen der Völker in einer "Drei-Länder-Ecke" erschien die heilige Mutter in Beauring, Banneux und Heede in einer Zeit, als die Vorbereitungen zum zweiten Weltkrieg begannen.
Das wirtschaftliche, soziale und religiöse Elend der Menschen als Folge von Kriegen bildet den Hintergrund der Ereignisse von Tre Fontane (Rom) und Syrakus. Wie ein Schutzmantel des Trostes in der Nähe von Krieg und nationalem Unglück wirkt die Gestalt und Symbolkraft der Erscheinungen von Pontmain bei Paris und Cnoc Mhuire auf der irischen Insel.
Das Wollen und Wirken der Mutter für die christlichen Völker unter der Bedrohung des Krieges ist geistlich, ganz theologisch. Letzte Ursache der Kriege ist ja die Sünde, die Entfernung des Lebens der Völker von Gottes Wahrheit und Ordnung.
Melanie und Maximin vernehmen eine harte Aufzählung der Sünden im Volk. Die kleinen Seher von Fatima lernen und lehren das Büßen und Sühnen für die Sünder. Die Medaille der Madonna mit den strahlenden Händen wurde ein Pfand für Bekehrungsgnaden verschlossener Seelen.
Der unentwegt erneuerte Aufruf der Frau zum fürbittenden, sühnenden Beten und Betrachten der Geheimnisse Christi im Rosenkranz ist wie eine heimliche Strategie auf Erden gegen die Legionen der Hölle, die gegen die Gnade im Gottesvolk kämpfen.
3. Welche Länder sind durch die geographische Verteilung der Erscheinungen gekennzeichnet? Im Süden Frankreichs liegen La Salette und Lourdes, hingegen im Norden Paris und Pontmain. Soll man von Italien sagen, die Tränen der Madonnenplastik seien im Süden, das blutende Bild von Florenz unweit der Mitte des Landes und die Wasser von Fontanelle am Fuße der Alpen zu suchen?
Liegen Irland, Kairo und Fatima an den äusstersten Ecken der abendländischen Christenheit? Durch die Einheit des Glaubens und der gleichartige Not und Bedürftigkeit der Seelen und durch den Einen Heiland und seine Mutter zählen diese Entfernungen nicht. Dennoch könnte jemand betonen: Fatima ist in die Mitte der Länder und der Bedrohung Europas gerückt, weil in das Jahr der Erscheinungen die Machtergreifung Lenins in Rußland fällt.
Es sei dem Eifer des Lesers überlassen, aus den Botschaften der Jungfrau jene Aussagen zu sammeln und zu vergleichen, die von ihrem Schmerz über die Sünden und von der göttlichen Strafdrohung handeln. Eine widerholt ausgesprochene Prophezeiung von Strafendem Unheil geht bis auf Anna Maria Taigi zurück. "Es wird über die ganze Erde eine dichte Finsternis kommen, die drei Tage und drei Nächte dauern wird...Nur geweihte Kerzen werden sich anzünden lassen und Licht spenden...In diesen Tagen sollen die Leute in ihren Häusern bleiben, den Rosenkranz beten und Gott um Barmherzigkeit anflehen."
Gestalt und Ausdrucksgebärde der Frau
Es sähe aus wie ein unterhaltsames Spiel und könnte doch vielerlei Bedeutsames aufdecken, wenn man auf die Unterschiede in der sichtbaren Gestalt der heiligen Jungfrau bei ihrem Erscheinen achten und sie vergleichen wollte.
In welcher "Nationalität" wurde sie sichtbar?
Wo erschien sie "orientalisch" oder europäisch in Wuchs, Hautfarbe, Kleidung? Welches Alter schien sie zu haben? Wann erschien sie als einfache Frau in Kleid und Auftreten wie die Frauen der betreffenden Gegend? Wann bot ihr Bild den Eindruck von Erhabenheit, Seligkeit, Reinheit und Kraft? Wann erschien sie königlich mit Krone und himmlischem Lichtschein? Es ließe sich so ein ABC gültiger, zu Herzen sprechender Bedeutungen gewinnen.
Ebenso wertvoll wäre auch das Verständnis anderer Besonderheiten bei den Begegnungen der himmlischen Frau. Wann und in welchem Sinnzusammenhang erscheint sie mit gefalteten Händen und zum Beten mit dem göttlichen Kind auf dem Arm? Wann hält das Kind die Weltkugel mit einem kleinen Kreuz in der Hand? Wo ist ein großes Kreuz mit oder ohne den Gekreuzigten in der Nähe der Frau? Bei welchen Erscheinungen steht sie auf dem Erdball, um ihre gnaden- und machtvolle Stellung uns zum Bewusstsein zu bringen? Wann waren ihre (und des Kindes) bloßen Füße sichtbar, mit welchen Rosen geziert? Und wo waren die Füße bedeckt und in der Bildfläche nicht da? Wo sahen die Anwesenden Tauben auffliegen um sie?
Ein ganzes Studium müsste man aufwenden, um sich eine Übersicht zu verschaffen über
das Sprechen und Schweigen der Frau.
In La Salette sprach sie eine große zusammenhängende Botschaft für das Volk. Den Cornacchiola nahm sie über eine Stunde in ihre Schule. In Heede sprach sie viele Male kein Wort und in Kairo überhaupt nicht.
Ein Umstand ist mit Liebe und Demut zu beherzigen: der Ausdruck der Trauer und das Weinen der Jungfrau und Mutter. Wollte man die Botschaften ohne diesen Moment registrieren, würde man die Pietät sehr verletzen und sich das Verständnis verstellen.
Die heilige Jungfrau betet auch mit ihren Sehern.
Sie betet den Rosenkranz mit Bernadette, wenn sie die Perlen durch ihre Finger gleiten lässt, obschon sie selbst nur das Gloria Patri mitspricht. Sie trägt auch den Rosenkranz an ihrem Gürtel in heller oder dunkler Farbe. Sie ermahnt zum Rosenkranzgebet und lehrt es. Man sieht sie beim Altar des heiligen Opfers und in das Leiden des Sohnes am Kreuz voll Schmerzen vertieft. Schon bei der Schauung der "Wunderbaren Medaille" 1830 war das schmerzreiche unbefleckte Herz vereint und verbunden mit dem dornengekrönten Erlöserherzen zu sehen.
Nicht zu übersehen ist bei dem Kommen und Wirken der Mutter
das Mitwirken der heiligen Engel.
Wo war bei den erwählten Sehern schon im voraus der Schutzengel im Spiel? Sichtbar als kleiner Knabe führte er in Paris die Postulantin nachts in die Klosterkapelle. Der Engel von Portugal hat die Erscheinungen von Fatima vorbereitet.
Inhalt und Zusammenhang der Botschaften könnten uns um einiges deutlicher werden, wollten wir darauf achten, wo eine Erscheinung wie die Wiederholung und Ausweitung, oder auch als Fortsetzung einer anderen, früher gewesenen auftritt. In Banneux ist es die Immakulata von Lourdes, die das arme Kind durch ihre Schönheit anzieht. Ist es nicht anderswo ähnlich gewesen?
Die jeweilige Ausdrucksform in Gestalt und Gebärde hilft uns, die Botschaft der Mutter innerlich zu verstehen. Der bloße Wortlaut wäre zu wenig; durch Blick und Antlitz, durch Sprechen und Schweigen, durch Tränen und heilige Segensbewegung der Hände erhält auch die Botschaft lebendige Nähe und persönliche Leuchtkraft.
Sehr oft wurde von der Erscheinung den Sehern ein für sie allein bestimmtes "Geheimnis" anvertraut. Ist das nicht ein Zeichen dafür, dass der Himmel sich um sein erwähltes Werkzeug in umfassender Weise annehmen will? Die geheimen Botschaften aber, die an den Heiligen Vater in Rom geschickt werden sollten, lassen erkennen, dass die Mutter der Kirche den Träger des höchsten Amtes in der Kirche einbezieht in ihre Planen und Wirken, aber auch, dass ihr Sprechen und Tun sich lückenlos einfügt in Leben und Lehre der Kirche Christi auf Erden.
Die sachlichen Pfänder himmlischen Beistands
Wie sehr die sorgende Absicht der heiligen Mutter bei ihrem Erscheinen hinzielt auf die praktische Seite des Lebens, wird spürbar, wenn man die erklärenden Worte, die äusseren Zeichen und konkreten Sachen in Betracht zieht, die von ihr dabei ins Spiel gesetzt werden.
1. Wie eine Sinndeutung oder ein Programm
steht nicht selten über einer Erscheinung der Titel, den die Frau auf Befragen der Seher sich gibt.
So leuchtet in den Stolz des Unglaubens und der Sünden des 19. Jahrhunderts das am 25. März 1858 zu Lourdes in großer Demut gesprochene Wort: "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis." Es bekräftigt das mit programmatischer Absicht vom kirchlichen Lehramt gerade damals verkündete Glaubens-Dogma und weist hin auf die unsichtbare Welt der Gnade und der Erlösung durch Jesus Christus. - In Beauraing bekannte die Erscheinung: "Ich bin die unbefleckte Jungfrau", und lenkte den Blick konkret auf die Sündelosigkeit und Gnade ihres Lebens.
Dem verhetzten Propagandisten hässlicher Angriffe, Cornacchiola, zeigte sich die Frau mit einem Buch in der Hand und erklärte mit grosser Bestimmtheit: "Ich bin, die da ist in der göttlichen Dreifaltigkeit. Ich bin die Jungfrau der Offenbarung". Daraus konnte der spätere Zeuge und Lobredner Mariens sein Bekenntnis formen und in die "rote Emilia" bringen.
Über die Mahnung an die Gläubigen, ihr Leben zu bessern und sühnende Buße zu tun, setzt die Erscheinung von Fatima den schlichten Satz: "Ich bin die Königin des Rosenkranzes." Den Sünden setzt sie das Beten der Gläubigen entgegen und verbindet sich selbst mit diesem Gebet als dessen Herrin.
"Ich bin die Jungfrau der Armen", sagt sie auf der kalten Hochfläche des Venn; denn sie war gekommen das Leiden zu lindern. Bei der letzten Erscheinung vervollständigt sie ihre Erklärung: "Ich bin die Mutter des Heilandes, die Mutter Gottes. Betet viel!"
Kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges hat die Erscheinung in Heede auf Befragen geantwortet, sie wolle verehrt werden als Königin des Weltalls und Königin der Armen Seelen. Ihr Wille und ihre Macht, in diesem und im anderen Leben rettend zu wirken, ist damit zum Ausdruck gebracht, aber auch ihre herrscherliche Stellung gegenüber dem Fürsten dieser Welt, der die Schöpfung verwüstet. Dieser Ehrentitel beantwortet abschließend das zuversichtliche Wort der Schwester Labouré, die geäussert hatte: "Wie schön wird es sein, wenn man sagen wird: Maria ist Königin des Weltalls!" Die höchste kirchliche Stelle hat diesen Titel der heiligen Mutter Christi bekräftigt, indem sie zum Abschluss des Marianischen Jahres 1954 dem kirchlichen Kalender ein neues Fest "Maria Königin" gab.
2. Wenn die Seherkinder fragten, was der Wunsch der Erscheinung sei, war sehr oft die Antwort, es solle eine Kapelle erbaut werden.
Damit wird gewiss zum Ausdruck gebracht, dass die Tatsache des Kommens der heiligen Jungfrau markiert, der Erinnerung eingeprägt und den Zeitgenossen und Nachfahren zum Bewusstsein gebracht werden soll. Die himmlische Person erachtet nämlich ihr Erscheinen und Sprechen nicht völlig privat oder für unwichtig und zufällig. Es geht sicher nicht darum, dem Kirchenvolk mehr Gottesdiensträume zu erstellen, sondern Wallfahrer, Pilgerzüge sollen kommen, damit der Wille, der Auftrag, die Botschaft des Himmels vielen Menschen "an Ort und Stelle" lebendige Wirklichkeit werde. Das Anliegen über allen Anliegen Marias ist ja die Bekehrung der Sünder. Dieses Anliegen ist übrigens das unausgesetzt aktuellste im ganzen mystischen Christusleib der Kirche. Es ist das ganze Jahr hindurch und alle Jahre Gegenstand des Lehr-, Priester- und Hirtenamtes, das der Herr seiner Kirche eingestiftet hat.
3. Als gnädiges Pfand und sprechendes Symbol der göttlichen Güte hat Maria an manchen Erscheinungsorten
eine neue Wasserquelle
eröffnet oder eine schon vorhandene zu neuer Bedeutung gebracht.
Das war so auf der Bergeshöhe von La Salette. Überragend bedeutsam wurde es in Lourdes. In der Mulde von Fatima entdeckte man trinkbares Grundwasser. In Banneux wurde die Quelle neben der Strasse der Jungfrau "vorbehalten". In Tre Fontane bei Rom allerdings hat die Frau nicht Quellwasser, sondern die Erde der sündigen Höhle als ein Pfand göttlichen Erbarmens zum Mitnehmen bestimmt. In Fontanelle bei Montichiari aber stieg sie selbst die Stufen der Brunnenstube hinab und berührte den Wasserspiegel mit ihrer Hand. Sie sprach ihren Wunsch aus, "dass hierher die Kranken und alle meine Kinder kommen sollen: zur Quelle der Gnade". So wurde von der himmlischen Erscheinung an mehreren Orten das Wasser der Quellen zum sichtbaren Abbild des von Gott geschenkten Lebens der Gnade und manchmal zum Träger des göttlichen Willens, durch ein Heilungswunder die Nähe Gottes anzuzeigen.
4. Wenn nun in Lourdes, Fatima, Banneux, Fontanelle und Kairo in erstaunlicher Fülle und Verschiedenheit die Heilung unheilbar Kranker zu einem Charakteristikum wird, so hat die arme Welt darin ein handfestes Pfand göttlicher Güte vor sich.
In Lourdes geschehen die Heilungen vielfach beim Baden der Kranken in den Piszinen, das sind durch Vorhänge getrennte Einzelbäder. Sie geschehen aber auch beim Vorübergang der Monstranz während der eucharistischen Krankensegnung. Sie überraschen manchmal die Pilger auf der Rückreise im Eisenbahnzug.
Das Ärztebüro von Lourdes ist Teil eines dreistufigen Prüfungsverfahrens, das seinen Abschluss finden würde in der öffentlichen kirchlichen Echtheitserklärung. Aber die meisten Heilungen, die von den Ärzten des Büros für naturwissenschaftlich unerklärbar deklariert wurden, sind nicht in der zweiten und dritten Instanz bearbeitet worden, weil niemand als Postulator dafür auftrat. So war es für die übelwollende Presse ein leichtes, laut zu verkünden, es seien in 100 Jahren in Lourdes doch recht wenige wunderbare Heilungen passiert.
Sinn und Zweck der Lourdes-Wunder
Das ist gewiss nicht, Krankenhäuser und Ärzte überflüssig zu machen. Die Heilungen sind zunächst eine barmherzige Hilfe und Tröstung für die Betroffenen selbst. Sie sind überdies für alle Menschen jene sichtbaren Pfänder der Nähe und Kraft des Reiches der Himmel, das die Propheten verheißen, das Christus der Herr gebracht hat, und das am Ende der Zeit die ganze Schöpfung durchdringen und verklären wird.
Christus trat auf in der Kraft des Heiligen Geistes (Lk 4,14-22). Er rief auf zur Bekehrung und heilte Gelähmte, Blinde, Aussätzige und gebot den bösen Geistern. Seine Botschaft vom Königtum Gottes wurde damit schon in Einzelgaben verwirklicht.
Diese Botschaft und Vollmacht übergab er alsbald auch seinen Jüngern (Mt 10,1. 5-8 par). Sie gingen und taten danach und kamen lobpreisend zurück. Bei seinem Abschied von der Welt hinterließ er ihnen neben dem Missionsbefehl auch die Verheißung der Wunder, die ihre Predigt begleiten sollten (Mk 16,17-18). Damit erklärt er das Charisma der Heilung zur typischen Qualität seiner Jüngerschaft und seiner Kirche für alle Zeit.
Wer demnach heute noch oder heute von neuem mit kläglichen Versuchen sich anstrengt, die Pfänder himmlischen Beistands in den Heilungswundern zu leugnen, indem er sie durch die psychische Macht der Suggestion entmythologisieren, oder durch die demnächst zu entdeckenden Naturkausalitäten erklärbar und im Experiment wiederholbar machen möchte, bekennt zur Genüge, dass er den Geist des Evangeliums und die Qualität des Gottesreiches zu verstehen versäumt hat.
"Sonnenwunder"
5. Eine unerhörte Besonderheit an einigen Erscheinungsorten der Frau ist jenes gewaltige Geschehen, das man als das "Sonnenwunder" bezeichnet. Das Entsetzen erregende Rotieren, Schwanken und Stürzen der ungeheuren Lichterscheinung versetzt die anwesenden Menschen in Staunen und Angst.
Erstmals und als ein dort nicht wiederholtes Ereignis geschah am 13. Oktober 1917 in Fatima, als einige Zehntausende in der Mulde der Irenia ein angekündigtes Zeichen erwarteten.
Es ist leicht zu erkennen, dass dieses Geschehen nicht die astronomische Sonne, die unsere Planeten regiert, betrifft und verändert. Es ist, wie die Schrift sagt, ein "Zeichen am Himmel".
Es ist das sichtbar gemachte Herabsteigen des himmlischen Lichtes, das bei der Sendungsmystik auch die sichtbaren "Erscheinungen" gestaltet und daher so unvermittelt dem Betroffenen begegnet, anders als in der Heilungsmystik beim langsamen Aufstieg der Seele zum göttlichen Licht.
Zwar nicht beim oberflächlichen Plaudern über die Marien_Erscheinungen unserer Zeit, wohl aber beim sorgfältigen Vergleichen und Werten erschliesst sich der Reichtum und die im Einklang mit der Glaubenswahrheit tiefgründige Wertfülle als Inhalt und Ziel der um die Völker bemühten Sorge im Himmel. Schon allein die Einsicht in diese Sinnfülle der Fakten lädt ein zu Wohlwollen, zu Vertrauen und Mut, diesem mystischen und echt kirchlichen Bereich mit gutem Herzen näherzutreten.
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